Babyschlaf und Ferbern

In der neuen ELTERN ist wohl gerade ein Interview mit Frau Kast-Zahn (Autorin von „Jedes Kind kann…“) zum Thema „Schlaflern-Programme“ erschienen. Und da will ich jetzt mal unter diesem irrsinnigen Thema hervorkriegen, das mich gerade 24 Stunden am Tag beschäftigt (Bildung und Macht – wer entscheidet eigentlich was für Kinder die richtige Bildung ist?) und mal zum Babyschlaf einen Kommentar abgeben.

Wie ich höre, wird über den Artikel einiges diskutiert. Und ich finde, man merkt dem Blog-Eintrag der ELTERN-Journalistin Nora Imlau (die das Interview geführt hat und übrigens ein tolles Buch über den liebevollen Umgang mit Babys geschrieben hat) ein bisschen an, dass sie meint, sich jetzt post hoc rechtfertigen zu müssen… Das muss sie ganz gewiss nicht, sie ist ja die Fragestellerin und kann als Journalistin das nicht munter als Streitgespräch aufziehen. Das längere und damit gewichtigere Wort fällt in einem Interview nun einmal der oder dem Befragten zu…

Und ich will hier auch gar nicht auf die verschiedenen Positionen eingehen, ich habe meine Position zum Thema Ferbern in „Kinder verstehen“ und den „Menschenkindern“ aus Sicht der evolutionären Verhaltensforschung begründet – und würde heute eher noch eindringlicher vor der Ferber-Methode warnen als ich das vor 5 Jahren getan habe.

Hier interessiert mich etwas anderes – die Diskussion um die Rolle der Wissenschaft. Da gebe ich Frau Imlau absolut Recht: wir können nicht von der Wissenschaft erwarten, dass sie uns sagt, ob die Ferber-Methode nun gut ist oder schlecht. Wie wir mit Babys umgehen, ja, wie wir generell unsere Beziehungen gestalten, ist eine Frage unseres Menschenbildes, das können wir nicht an die Wissenschaft delegieren. Es ist auch methodisch sehr schwierig (wenn auch nicht unmöglich, wie etwa die Studie von Anisfeld zum Thema Tragen zeigt), Aussagen über die Langzeitwirkungen von Pflege- oder Erziehungsmaßnahmen zu treffen, weil unsere subjektiven Erwartungen und Voraussetzungen nun einmal nicht „wegverblindet“ werden können, und eine Zuteilung per Zufall auch nicht möglich ist (Babys, die Montags geboren werden bekommen ein Schlaflernprogramm, die Dienstags geborenen keines…). Also ja, eindeutig: wir können das Thema „Ferbern“ wissenschaftlich nicht lösen. (Und deshalb ist die Abwesenheit von Hinweisen auf schädigende Auswirkungen der Ferber-Methode eben auch KEIN wissenschaftlicher Beweis für deren Unschädlichkeit…)

Umso mehr ärgert es mich, dass jetzt gerade eine Frau Zast-Kahn sich auf „Studien“ beruft, nach denen dem Ferbern keine negativen Langzeitwirkungen beschieden werden – gerade Frau Kast-Zahn, die sich in ihrem Buch „Jedes Kind kann…“ in für mich unredlicher Weise hinter „der Wissenschaft“ versteckt. Und das bei der wohl zentralsten Frage des ganzen Buches – bei der Frage nämlich, warum eigentlich ein Baby nicht einfach bei seinen Eltern im Bett einschlafen sollte, schließlich haben die Babys da (wie Frau Kast-Zahn selbst konstatiert) keine Einschlafprobleme. Mit dieser Frage (bei der ja immerhin auch die Frage mitschwingt, ob es sich bei den Schlaf“störungen“ der Kleinen nicht um ein selbst gemachtes Problem handelt und man sich den ganzen Ferber-Zirkus nicht eigentlich sparen könnte…), geht sie so um:

„Dagegen wäre auch nichts einzuwenden, wenn Sicherheitsexperten nicht warnen würden: Im Elternbett steigt das Risiko, dass das Baby überhitzt wird.“

Da schickt sie also die „Sicherheitsexperten“ ins Feld. Obwohl ihr durchaus klar sein muss, dass sich die „Experten“ rund um den Babyschlaf in dieser Frage eben NICHT einig sind. Weder die SIDS- noch die Schlafforschung bezieht ja eine einheitliche Position für oder gegen das gemeinsame Elternbett, ja, nicht einmal das Lager der Schlafprogramm-Befürworter ist sich in dieser Frage einig, denn Richard Ferber spricht sich heute ja durchaus für das Co-sleeping als Alternative aus. („What ever you want to do, whatever you feel comfortable doing, is the right thing to do, as long as it works.“ – das wäre übrigens auch ein gutes Zitat zum Kommentieren für Frau Kast-Zahn gewesen…)

Dass sich Frau Kast-Zahn also jetzt wieder so bequem hinter den Aussagen „der Wissenschaft“ zum Thema Schlaflernprogramme verstecken kann, und einfach mal von der Leber weg suggeriert, die Ferber-Methode sei in Ordnung, weil „die Experten“ ja keine Langzeitschäden erkennen können – dann ist das in der Tat bedauerlich.

Und genau deshalb will ich hier kurz auf diese „Wissenschaft“ eingehen (keine Sorge, ich habe deshalb jetzt nicht auf die Mittagspause verzichtet, ich habe mich nämlich vor etwa einem halben Jahr mit einer der auch in Nora Imlaus Blog angesprochenen Studien recht intensiv auseinandergesetzt).

Da hatte mich nämlich Sibylle Lüpold (die Autorin von „Ich will bei Euch schlafen“ – auch so ein tolles Buch!) das hier gefragt:

Lieber Herbert

Was hälst Du davon:

http://pediatrics.aappublications.org/content/early/2012/09/04/peds.2011-3467.full.pdf+html

Herzliche Grüsse,

Sibylle

Und das dann von Sibylle hinterher:

Mich „belastet“ (diese Studie) insofern, als meine „Anti-Ferber-Broschüre“ nun endlich auch auf spanisch und englisch übersetzt wurde, und die Frau, die meine spanische Übersetzung korrigiert hat, mich darauf hinwies, dass ich den Satz: „Es gibt bisher keine prospektive kontrollierte Studie über die möglichen Nebenwirkungen der Ferbermethode. Eine solche durchzuführen, wäre aus ethischen Motiven nicht zulässig.“ streichen müsste, wegen der Studie von Price/Hiscock.

Was meinst Du?

Und das dann meine Antwort:

nö, dies ist keine „kontrollierte“ Studie, dieser Begriff ist eigentlich Studien vorbehalten, in denen „die Ergebnisse in der Studiengruppe mit denen der Kontrollgruppe ohne Intervention oder einer Kontrollintervention verglichen werden. Die Kontrollintervention ist entweder die bisher wirksamste Maßnahme oder eine Scheinintervention“.

Dies hier ist weder ein Vergleich mit einer Scheinintervention noch mit der bisher wirksamsten Maßnahme, sondern ein Vergleich mit einer nicht näher definierten, also unbekannten Intervention. Ein kontrollierter, randomisierter Vergleich zwischen der Ferber-Methode und „no intervention“ ist in der Tat ethisch nicht durchführbar, da dann Eltern per Zufall zu einer Methode zugeteilt werden würden, die ihrer eigenen ethischen Grundhaltung möglicherweise widerspricht.

Und das dann von mir hinterher zur genaueren Erklärung:

Liebe Sibylle,

hab mir das gleich angeschaut, kann mir ja vorstellen, dass dich das quält …

Du, das ist eine ziemlich problematische Studie. Es ist eine Studie von australischen Familien, die unter „Schlafproblemen“ ihrer Babys leiden (Voraussetzung zur Teilnahme ist eine positive Antwort auf die Frage: “over the last 2 weeks, has your baby´s sleep generally been a problem for you?“). Die Familien mit positiver Antwort wurden dann eingeladen, sich an einem lokalen Beratungszentrum bezüglich der bestehenden Schlafproblematik von Krankenschwestern beraten zu lassen: An einem (zufällig ausgewählten) Teil dieser Beratungszentren bekamen die Eltern eine standardisierte Schlaf-Beratung, in der ihnen zwei verschiedene Schlaflern-Methoden vorgestellt wurden (die eine „controlled comforting“, die andere „camping out“). Auch im anderen Teil der Beratungszentren wurden die Eltern bezüglich der Schlafprobleme beraten – jedoch nicht nach dem vorgegebenen und entsprechend trainierten Standard-Protokoll, sondern „frei“, eben wie dort üblich. Dann wurden die Kinder (und deren Eltern) im Alter von 6 Jahren nach-untersucht und die Familien der beiden „cluster“ (also die der speziell auf die Beratung trainierten Beratungszentren versus die der „frei“ beratenden Zentren) in Bezug auf diverse psychologische Outcomes verglichen. Ergebnis: kein Unterschied.

Das Design (cluster randomisierung) ist sehr sexy (deshalb ist die Studie in Pediatrics reingekommen), wir haben das gleiche Modell in unserer Kindergarten-Studie angewandt. Auch die Adjustierung (Raushalten von Fremdeinflüssen, wie etwa sozioökonomischer Stress) ist recht ordentlich. Trotzdem ist der Bias (Verzerrung des Ergebnisses durch fehlende oder unsauber erhobene Daten) eklatant, und deshalb hätte dem Paper eigentlich von den Reviewern ein ganz anderer Zuschnitt und Diskussion aufgezwungen werden müssen (veröffentlicht wird so was schon wegen des interessanten Studien-Designs sowieso).

Zum Bias: Das, was als methodischer Vorteil verkauft wird, ist in Wirklichkeit ein echtes Problem: „All retained participants were analyzed in the groups to which they were randomized, applying the intention-to-treat principle.“ Das heisst im Klartext: die Forscher wissen nicht, was mit den Babys zuhause wirklich geschehen ist (de facto treatment), ja, sie wissen nicht einmal, wer welche Beratung bekommen hat (für die frei beratenden Zentren ist dies unbekannt). Das ist deshalb problematisch, weil die Teilnehmer in beiden Armen ja das gleiche Problem hatten (subjektive Schlaf“störungen“) – es ist also durchaus möglich, dass die Kontrollgruppe (also die Familien in den „frei beratenden“ Zentren) eine ähnliche (möglicherweise sogar eine noch rigorosere?) Beratung erfahren haben – schliesslich sind die Ferber-Derivate auch in Australien längst mainstream und diese Methoden dürften sich auch in den Beratungszentren rumgesprochen haben. Aber auch in der „Standard“-Gruppe (also bei denen, die tatsächlich Informationen zu einem Schlaflern-Programm bekommen haben) ist nicht bekannt, welche der beiden Methoden – „camping out“ oder „controlled comforting“) die Eltern durchgeführt haben (in der Analyse wurden beide als „Schlaflern-Programme“ zusammengefasst, womöglich weil sonst nicht genug statistische Aussagekraft zusammengekommen wäre). Das ist deshalb problematisch, weil die Methoden sehr unterschiedlich sind – „camping out“ ist allenfalls eine Kuschelversion von „controlled comforting“). Matter of fact ist also: Man weiss nicht, welche „Behandlungen“ hier wirklich verglichen werden. Gemessen und dokumentiert wurde das zumindest im Kontrollarm („freie“ Beratung) nämlich nicht (wir haben hier tatsächlich eine hochrangig publizierte Interventionsstudie, in der es keine Prozessevaluation gibt!!!) Dabei wäre für die Interpretation ganz entscheidend zu wissen: was haben die denn zuhause wirklich gemacht? Handelt es sich bei den Kontrollgruppen vielleicht um Familien, die ihre Kinder zu sich ins Bett genommen haben? Oder um Familien, die ihre Kinder dann auch irgendwie „controlled gecomfortet“ haben? Oder haben die in den Kontrollzentren vielleicht noch einen drauf gelegt und „richtig“ geferbert? Und was haben die Eltern in der Interventionsgruppe denn gemacht: mehrheitlich „camping out“ oder „controlled comforting“?) Aus methodischer Sicht ist das fatal: man macht einen intention-to-treat-Vergleich – wobei die Inhalte der Beratung für einen kompletten Vergleichsarm gar nicht bekannt sind, und die tatsächlich durchgeführten Interventionen gar für beide Arme unbekannt bleiben!!!

Das macht die Übertragbarkeit praktisch unmöglich. Denn wenn man als Eltern die Aussage hört: Schlaf-Verhaltensprogramme haben keine negativen Auswirkungen – dann will ich als Vater oder Mutter doch wissen: verglichen mit was? Und: WELCHE Schlaf-Verhaltensprogramme genau?

Für mich ist das also eine problematische Studie von Leuten, die sich zudem als klare Verfechter der angewendeten Schlaf-Verhaltensprogramme outen („Furthermore, teaching parents to regulate their children´s sleep behavior is a form of limit setting that, combined with parental warmth, constitutes the optimal, authoritative, parenting style for child outcomes.“)

Auch ist die introduction und discussion im Grunde „marketing“. Denn angeblich (und im logischen Widerspruch zu dem selbst vorgebrachten Argument in der Einleitung: „Interestingly, this debate is largely framed around possible harms rather than the potential for lasting benefits.“…) ist die Grundhypothese des Papers ja die, dass es bei der Behandlung von Baby-Schlafproblemen keine Unterschiede geben sollte in : (1) child emotional and conduct behavior (primary outcomes), sleep, psychosocial health-related quality of life, and diurnal cortisol as a marker of stress; 2)child-parent relationship, disinhibited attachment; or (3) maternal mental health or parenting styles.

Aber ist das denn wirklich eine für diese Diskussion stimmige Annahme? Die Autoren selbst schreiben ja von „potential for lasting benefits“ und gehen in der Einleitung sogar noch weiter: „it is entirely possible that benefits to maternal mental health may extend beyond the medium-term already demonstrated“… Und in der Tat muss man sich als Leser doch fragen: da wird eine angeblich maßgeschneiderte Intervention durchgeführt, die laut vorheriger Analysen auch tatsächlich effektiv ist, also ihr Ziel erreicht: dass die Kinder besser schlafen und die Familien weniger gestresst und deprimiert sind. Jetzt, wo es um die Frage der psachologischen Langzeit-Auswirkungen geht, würde man da doch erwarten, dass die Null-Hypothese der Autoren die ist: dass davon dann auch langfristige Vorteile übrig bleiben. Aber davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Die Null-Hypothese lautet vielmehr: no harm. Jetzt auf einmal, wo die Entwickler dieser Intervention ihre 6-Jahres-Nachuntersuchung machen, soll es zur positiven Bewertung des Programmes ausreichen, dass kein Schaden angerichtet wird? Das muss doch dann auch in der Diskussion irgendwie als Problem diskutiert werden: man rackert und rödelt, um den Familien mit einem speziellen Programm zu helfen – und dann stehen die nachher genau gleich da wie die, für die man eben nicht speziell geackert und gerödelt hat. Man müsste diese Frage zumindest diskutieren.

Das ist also eine dieser „Studien“, die eine Objektivität behaupten, die sie nicht haben (und aus methodischen Gründen auch nicht haben können).Aber gottseidank glauben im wissenschafltichen Diskurs sowieso nur diejenigen an die Ergebnisse, die auch die Grundannahmen der Forscher teilen…

Habs gut gell!

H

Okay, das ist jetzt sehr lang geworden, und man muss auch nicht alles lesen, denn, das kann ich (auch mir selbst) nicht oft genug sagen: es geht bei diesen Fragen im Grunde nicht um irgendwelche Experimente oder sonstige Studien, es geht um die Gestaltung von Beziehungen. Wenn ein Rostocker Schlaf-Forscher davor warnt (wie kürzlich geschehen), die Babys in den Schlaf zu singen (Begründung: sie gewöhnen sich daran und werden von der Anwesenheit des oder der Singenden abhängig), dann darf er das sagen – und von mir aus auch „wissenschaftlich“ begründen.

Und andere dürfen darüber von Herzen lachen (oder weinen). Wie gesagt, wie wir miteinander leben wollen, das wollen und dürfen wir selbst entscheiden. Es macht ja auch niemand einen Bio-Bauernhof auf, nur weil die Wissenschaft festgestellt hat, das sei besser. Und wir geben unsere Kinder auch nicht in Krippen (oder betreuen sie zuhause), weil irgendein wissenschaftliches Institut das gut findet (oder aber schlecht). Wer sein Leben selbst gestalten will, muss selbst denken. Und die Anregungen dazu werden heute ja nicht unter dem Ladentisch gehandelt. Das schreiben sich Leute wie Nora Imlau, Sibylle Lüpold und auch ich die Seele aus den Fingern. Und Frau Kast-Zahn natürlich auch. Wem ihr Bild gefällt vom Umgang mit einem Baby, wird das nicht deshalb schrecklich finden, weil ein Renz-Polster dagegen ist. Unser Menschenbild hat etwas mit unserer eigenen Beziehungsbiographie zu tun und damit, wie wir gerade im Leben aufgestellt sind. Wer glaubt, das sei ein Resultat der besseren Argumente, macht sich zu viel Druck oder nimmt sich zu wichtig. Und wer im Jahr 2014 sein Baby nicht mehr in den Schlaf singt, weil das ein Rostocker „Schlaf-Experte“ empfiehlt, hat einfach ein Problem, das auch wir nicht lösen können.

18 Gedanken zu „Babyschlaf und Ferbern

  1. Sie haben so viel gutes geschrieben. Nur hier muss ich immer wieder Socken, wenn ich lese: Im Elternbett haben Kinder keine Einschlafprobleme? Schön wäre es! Unsere Tochter schläft überhaupt nur bei uns im Bett ein. Sie wurde nie allein gelassen beim einschlafen und nach bedarf gestillt. Und trotzdem: es dauert mindestens eine halbe bis dreiviertel Stunde bis sie aus dem weinen in einen Halbschlaf fällt und zwei bis drei Stunden, in denen immer jemand bei ist/sein muss, wo sie sich hin uns her wälzt, weint oder dringend ihren Schnuller braucht. Nach fünf Monaten sind wir ko und fertig. Trotzdem liebe ich es, sie neben mir.zu haben und bei ihr zu sein. aber solche Sätze verstärken meine Hilflosigkeit so sehr, wenn noch nicht einmal ein Herr RP sieht, das trotz stillen und Familienbett solche Probleme bei Säuglinge da sein können…

    • Da schliesse ich mich an. O.K. unsere Tochter schläft an der Brust relativ gut ein. Solange ich daneben liege. Wenn ich nicht mehr daneben liege schläft sie, wenn’s gut kommt eine knappe halbe Stunde weiter, und dann dasselbe von vorn. Immer wieder. Auch nachts wacht sie häufig alle 30-60 min auf, selbst wenn ich daneben liege… Wir sind auch k.o. und ich verzweifle schon fast, vor allem ab den ständigen Ratschlägen die reichen von: lass sie doch einfach weinen (kann ich nicht) bis nimm sie doch ins Bett neben dir (mach ich schon)

  2. Erst mal vielen Dank für diese Ausführungen – spart mir jede Menge Recherchearbeit :-).

    Eine Frage noch an die Vorkommentiererinnen – wie schlafen denn Eure Kinder ein? Das ständige nächtliche Aufwachen ist meistens durch die Einschlafgewohnheiten verursacht. Hat das Kind einen Schnuller, dann wacht es – wenn es diesen verloren hat – in den Leichtschlafphasen auf und vermisst ihn. Ebenso, wenn es an Brust/Flasche einschläft. Bei uns hat das „sanfte Ablösen“ dabei massive Besserung gebracht – das kann ich im Familienbett nur wirklich empfehlen! Danach wurde mein Kind nur noch wach, wenn es wirklich Hunger hatte.

    Viele Grüße!

  3. Was hat das mit dem sanften Ablösen auf sich? mir geht’s wie meinen Vorrednern (Einschlafprobleme trotz Baby im Elternbett, wacht jede Stund auf…)und ich kann nicht mehr, weiß aber nicht wo ich Hilfe ohne Schreien lassen bekomme????

  4. Lieber Herbert,

    danke für diesen Grundgedanken: Wie wir mit unseren Babys umgehen, hängt von unserem Menschenbild ab und wir können unser Gefühl nicht an die Wissenschaft delegieren. Thumbs up!

    hug
    nica

  5. Ich verfolge Diskussionen zu dem Thema nun schon seit Geburt meiner Tochter. Jetzt ist sie 18 Monate alt und ihr Schlafverhalten wird deutlich besser. Geändert oder trainiert habe ich nichts. Wir schlafen im Familienbett, ich habe sie immer einschlafgestillt. Seit einigen Wochen schläft sie aber nicht mehr an der Brust ein, sondern nach dem Stillen, bei sanftem Reden und Streicheln. Und sie schläft ohne Stillen bis ca 5 durch, nur manchmal möchte sie sich kurz ankuscheln und gestreichelt werden. Außerdem kann ich nach dem Einachlafen, das etwa 20-40 min dauert, nun ohne Probleme wieder aufstehen. Und wir waren auch Phasenweise am Dauerstillen und ständig und sofort wieder aufwachen, wenn man sie allein gelassen hat.

    Für mich hat geholfen, alles einfach so zu akzeptieren, wie es war. Dann hab ich eben im Bett neben ihr gelesen oder selbst früh geschlafen. Und bei längeren Einschlaf-Prozeduren habe ich mir irgendwann gedacht: ’sie ist nun immer irgendwann eingeschlafen, dann wird es heute auch so sein‘. Und sieheda, hatte ich weniger Stress, hatte sie es auch.

    Aber nach Beobachung der vergangenen 18 Monate ist meine Meinung, dass man vermutlich schon trainieren kann (was aber nicht mein Weg gewesen wäre), dass sich aber ganz viel einfach ganz von selbst entwickelt und man es einfach nur begleiten muss.

    Hoffentlich kann ich damit ein paar Verzweifelten Mut machen und die Kraft geben, mit Geduld und Liebe ihr Kleines beim Großwerden im Schlafverhalten sanft zu begleiten…!

  6. Meine Erfahrung zeigt, dass das Kind die nötige Reife braucht.
    Meine Tochter brauchte 10 Monate immer jemand neben bzw unter sich, wenn sie in eine Leichtschlafphase kam. Nun ist sie 18 Monate, schläft an der Brust ein und dann bestenfalls 8 Stunden durch. Kurz Mama nuckeln und dann ist gut bis morgens.

    Mit „sanftem Ablösen“ ist gemeint, dass das Kind nicht an der Brust einschläft oder? Also daneben legen, streicheln, singen. Das machen wir gelegentlich und klappt mittlerweile fast genauso gut. Mit 5 Monaten wäre das aber mit schlimmen Geschrei abgelaufen.

    Zum Artikel: vielen Dank für den tollen Text und die wahren Worte. Traurig, aber wahr.

  7. Wenn ich James McKenna, den Leiter des Mutter-Kind-Schlaflabors an der University of Notre Dame richtig verstehe, dann ist die das Funktionieren der Körperfunktionen des Babys (Wärmeregulierung, Schlaf, Aufwachen, etc.) abhängig von der Nähe des mütterlichen Körpers. Auf deutsch: wenn die Mutter sich entfernt, droht Gefahr und das Baby wacht deshalb auf und schreit. Ich muss gestehen, dass ich bevor ich die folgenden Videos von James McKenna gesehen habe, nicht wusste, wie eng die Physiologie des Babys an die Mutter gekoppelt ist. Die Natur scheint es nicht vorzusehen, dass die Mutter sich entfernt, zumindest nicht in den ersten 6 Monaten, die er als Fortsetzung der Dchwangerschaft außerhalb des Mutterleibes bezeichnet.

    Hier sind die Videolinks:

    Warum und wie Babies schlafen, James McKenna (deutsch übersetzt)
    http://m.youtube.com/watch?v=OF4_3ImdH9s

    Durchschlafen ist ungesund, James McKenna (deutsch übersetzt)
    http://m.youtube.com/watch?v=Wluc5fICkbc

    James McKenna übers Alleinschlafen (deutsch übersetzt)
    http://m.youtube.com/watch?v=PqSDwgJ7n2M

    Die Biologie des Familienbetts, James McKenna (deutsch übersetzt)
    http://m.youtube.com/watch?v=i-Y0qRaP644

    Co-Sleeping with Infants, James McKenna (englisch)
    http://m.youtube.com/watch?v=XCZzzqFkyiU

    Safe Infant Sleep and a Co-Sleeping Bed, James McKenna (englisch)
    http://m.youtube.com/watch?v=n2LZvf8G4DI

    Antje

  8. Ich habe das Gefühl, dass das Einschlafen und das Durchschlafen überhaupt nchts miteinander zu tun haben. Mein großer SOhn ist immer alleine eingeschlafen, ab 6 Monaten in seinem Bett in seinem Zimmer. Er ist heute 3 1/2 und wacht immer noch jede Nacht zig mal auf (seit einem halben Jahr schläft er auf eigenen Wunsch bei mir, vorher konnte er nur sehr schlecht schlafen wenn er bei uns im Bett war). Sein kleiner Bruder wird seit Geburt in den Schlaf begleitet und schlief mit 13 Monaten durch. (Okay seit 5 Wochen nciht mehr aber das schiebe ich aml auf die Zähne) was ich sagen will: Die These „Wie sie einschlafen das fordern sie auch nachts“ kann ich mal zu 100% widerlegen.

  9. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es in Japan im Vergleich zu anderen Industrienationen vergleichsweise wenige Fälle von SIDS gibt, obwohl dort Kinder und auch Säuglinge traditionell bei ihren Eltern nächtigen. Man muss allerdings auch darauf hinweisen, dass die Japaner auf vergleichsweise harten Unterlagen (Familien-Tatamimatten) nächtigen, grosse, kuschelige Kissen sind eher ungewöhnlich. Wenn es um die Studien zu den Ursachen zum plötzlichen Kindstod geht, muss noch viel mehr ins Detail geschaut werden als bisher. Die Ergebnisse sind immer noch widersprüchlich, und diese Widersprüche gilt es aufzudecken.

  10. Hallo,
    vielen Dank für Ihren Artikel, der mich zusammen mit anderen Artikeln zum Thema zu einem Blogpost animiert hat. Hier beschreibe ich meine Beobachtung, dass viele mir bekannte Eltern, trotz Bindungsorientierung und Familienbett an einen Punkt kommen, an dem sie doch das Ferbern ausprobieren.
    In meinem Blog sammel ich in den Kommentaren Ideen, Literaturtipps, Erfahrungsberichte uva. für Eltern, wie sie die schlimme Schlafloszeit überstehen können, ohne dem Ferbern „zu verfallen“.

    Wer Lust hat, ich freue mich sehr über Kommentare: http://mama-notes.de/babyschlaf-one-day-oh-baby-you-will-sleep/

    Liebe Grüße, Mama notes

  11. Pingback: Wissenschaft konkret | Blog "Kinder verstehen" von Herbert Renz-Polster

  12. Super!! Vielen Dank! Hatte ich mir schon gedacht, dass die Studie bei genauerer Analyse nicht aussagekräftig ist! Und damit man nicht so schnell dahinter kommt, kostet sie 12$… wer will das schon zahlen… 😉

  13. Ich möchte allen müden Eltern ein bisschen Hoffnung machen, dass es besser wird! Das hätte mir in der schlimmsten Zeit Kraft gegeben. WIr haben unseren Sohn (jetzt fast 2 Jahre alt) niemals schreien lassen. Er wurde gestillt, gewiegt, ihm Lieder gesungen und mit in unser Bett geholt. Es hat in der schlimmsten Zeit 2-3 h gedauert bis er schlief und es gab eine Zeit, in der ich alle 2 h stillen musste. In der Zeit dachte ich schon, er würde das nie lernen. Aber Ferbern kam nie in Frage! Tagsüber war er auch unglaublich anhänglich. Und jetzt hat er von sich aus gelernt allein einzuschlafen, weil er keine Angst haben muss, dass keiner kommt, wenn er Mama oder Papa braucht. Er schickt uns zum Teil sogar aus seinem Zimmer raus und ist mächtig stolz, dass er schon so groß ist! Tagsüber kommt er auch wunderbar und lange Zeit mit anderen Aufsichtspersonen zurecht.
    Also, Mamas und Papas, haltet durch! Es lohnt sich! Eure Kinder werden nur selbstständig, wenn sie sich eurer Hilfe in der Not sicher sein können!

  14. Hallo ihr lieben Eltern,

    ich möchte Euch einfach mal ein bisschen Mut zusprechen und Sonnenschein schicken. Ich bin Mama von vier Kindern, der Große ist 15 und meine Zwillinge sind sieben. Mein jüngster Sohn ist letztes Jahr im Mai gestorben. Heute bin ich durch Zufall hier gelandet und bin so traurig darüber, dass Euch niemand den Rücken stärkt oder einfach mal das gibt, was ihr so dringend benötigt – ein liebes Wort und ein Lob dafür, dass ihr Eure Kinder so sehr liebt, dass ihr für sie über alle Grenzen hinaus geht.
    Laßt mich Euch einmal erzählen, wie es bei uns gewesen ist, denn Eure Sorgen und diese bleierne Erschöpfung kenne ich nur zu gut.
    Als mein großer Sohn geboren wurde, da war ich frohen Mutes. Hatte ich doch viele Jahre immer und immer wieder mit Babys zu tun und war nicht unerfahren, da ich eine recht große Familie habe und immer viele Kinder und Babys um uns herum waren.
    Trotzdem, es war plötzlich alles anders und ich hatte so gar keine Ahnung, wieviel Kraft all das fordert.
    Er hat eine Zeit lang sehr gut geschlafen, aber als er ein paar Monate alt war, hat er sich völlig gewandelt. Nächtelanges herumtragen und Schreien und Quengeln war plötzlich Lebensinhalt Nummer eins.
    Ich ging auf dem Zahnfleisch und war wirklich zu nichts mehr zu gebrauchen… habe ALLES versucht und ja, ich habe auch geferbert. Zumindest dachte ich damals, ich würde das tun und wir alle würden davon profitieren. Genau drei Abende lang habe ich das Programm versucht anzuwenden… und danach habe ich mit Entsetzen festgestellt, dass mein Kind sich verändert hatte, er hatte einen leeren Blick und war ängstlich, voller Spannung und Unruhe. Und ich hatte das Gefühl, etwas ist in ihm zerbrochen.
    Das hat mich so entsetzt und fertig gemacht, dass ich auf mein Bauchgefühl, welches ich von Anfang an hatte, gehört habe und das ganz schnell sein ließ. Danach war nichts besser, im Gegenteil… aber dieser Blick in die Augen meines Sohnes damals befähigte mich, an die Liebe und Wärme und Geduld zu glauben. Ich habe ihn mir zurückgekuschelt und bin heute überzeugt, dass ferbern das Schlimmste ist, was man seinen Kindern – sei die Not auch noch so groß – antun kann.

    Mutter Natur hat uns Mamas und Papas mit sehr viel mehr Kraft ausgerüstet, als wir in der akuten Situation glauben. Damals, bei meinem ersten Sohn, ging ich durch all diese Monate „noch irgendwie so durch“, d.h., es war einfach irgendwann überstanden und wir erholten uns auch wieder von dem Kraftakt.

    Als unsere Zwillinge kamen, haben wir vorher lange überlegt, wie wir das angehen… sie wurden dann zu allem Obendrein noch extreme Frühgeburten mit 14 Wochen vor dem Geburtstermin. Beide waren schwerst krank, haben unzählige offene Bauch Operationen und Hirnblutungen hinter sich und als wir sie endlich nach 6 Monaten Bangen und Angst ( auf diese Zeit gehe ich nicht näher ein ) zu Hause hatten, waren sie an Monitore und Sauerstoff gebunden und wir bereits zu diesem Zeitpunkt vollkommen fertig und am Ende all unserer Kraft.
    Und dennoch… wir mussten ja da sein.
    Mein Mann arbeitete und musste mir dennoch nachts mit den Beiden helfen.

    Wir waren wirklich jede Nacht mit ein bis zwei Stunden Schlaf am Leben. Hunger und Windeln für zwei, dazu laufende Fehlalarme an den Monitoren plus übliche Babyprobleme in Sachen Schlaf etc…

    Wie wir das gemacht haben? Nun ja, eine große Portion Selbstvertrauen und viel reden. Und eines hat uns als Ehepaar wirklich gerettet:
    Und lacht nicht, es funktioniert wirklich!
    Wir haben fest ausgemacht, im vollen Ernst, dass jeglicher Krach, Streit, Gemecker und Gezicke, welches zwischen uns beiden zwischen 20.00 und 08.00 morgens stattfindet ( und das tut es 😉 ) NICHT und zwar ABSOLUT NICHT ernst genommen wird, einander zugestanden wird und vor allen Dingen völlig kommentarlos am nächsten Tag ad acta gelegt.
    Das war kein Freibrief und erfordert Mut und ein wenig Toleranz, ABER es hat funktioniert, denn so haben wir oft am nächsten Tag gelacht, egal welch schlimme Dinge wir uns an den Kopf gehaun haben. Es gibt einem aber sehr viel Sicherheit im anderen zu ruhen und es nimmt einem die Last, sich um die Ehe des Stresses wegen auch noch zu sorgen.
    Und wir haben den Blickwinkel ein wenig verändert:

    Es war normal, so am Ende zu sein, wir haben es akzeptiert. Aber wir haben uns immer wieder gegenseitig, oder jeder für sich, Mut gemacht und für diese wahnsinnige Leistung auf die Schulter geklopft. Ja, im Ernst – wir haben uns sogar belohnt, denn all diese Mühe verdient eine Belohnung! Warum denn auch nicht?
    Wir haben uns feste Ziele gesetzt… z.B. wenn wieder eine Woche überstanden war, dann kaufen wir uns eine Schachtel Pralinen und eine Flasche Sekt und genießen sie in einem ruhigen Moment, so gut es geht. Ja, zehn Minuten und ein halbes Glas später ging es zwar wieder rund, aber das Innere zählt und es hat gut getan.
    Wir haben auch mal Pizza bestellt und nicht als selbstverständlich, sondern ganz bewusst gesagt, so, heute belohnen wir uns dafür.
    Einer hat dem anderen ein Belohnungsbad gemacht oder tausend andere kleine Dinge.

    Das alles lindert NICHT wirklich den Stress, aber es zeigt einem innerlich, wie wertvoll diese Arbeit und das Durchhalten sind!!!!
    Es ändert einfach das Gefühl von : Warum ich? Warum kann ich es nicht? Warum kriege ich das nicht hin? Versage ich? Wann hört das endlich auf???

    IN:

    Ja, es ist schwer und ja, wer weiß wie lange noch. Aber ich schaffe das, ich kann diesen Berg bewältigen und ich kann diese Last tragen. Es ist mein Kind, ich schaffe das für uns alle, ich vollbringe eine großartige Leistung und ich habe es verdient, dass ich mir das anerkenne.

    Ich wünsche Euch von ganzem Herzen viel Kraft und Mut, es anders anzusehen. Eure Kinder sind völlig normal und was ihr erlebt, ist auch normal – egal wie schlimm es sein mag.

    Es wird alles wieder gut und ihr werdet am Ende belohnt: Ein Blick in den Spiegel und das Gefühl, wow!!! Wir haben es geschafft! DAS haben wir geleistet, ich…er… und unser Kind.

    Alles wird gut 🙂

    Ganz ganz warme liebe Grüße,

    die Carmen

    PS: nein, ich habe keine „Über“-Kinder 😉 sie sind alle drei ganz normale Rabauken mit Ecken Macken und Kanten 🙂 Aber das ist gut so 😀

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