Die Sprünge, Antwort auf @Wunschkind

Danke, Herr Grimpe – ich weiß jetzt als Neu-Blogger nicht wirklich, ob ich das nicht besser neu posten soll, weil es vielleicht für andere auch interessant ist, also… Sie haben das geschrieben:

„@Wunschkind: Ob sich “Entwicklungsschübe” (nach van de Rijt) wirklich mit einer eher wissenschaftlich untermauerten Sicht auf Kinder wirklich vertragen? Das Buch (Oje …) verkauft sich wie geschnitten Brot, aber liegt das nicht viel eher daran, dass es nahezu perfekt unser archaisches Verlangen nach Kausalität befriedigt? Ich persönlich habe eigentlich nie verstehen können, warum ein komplexes biologisches System (Kind) sich “sprunghaft” entwickeln sollte und dann auch noch nach einem ziemlich genau festgelegten Zeitplan? Ich habe bislang auch noch nicht davon gehört, dass diese Thematik mal von anderen wissenschaftlich untersucht worden wäre. Gerade wenn man zb Largos “Babyjahre” anschaut, dann sieht man ja wie groß die Spannbreite ist, in der die Entwicklung abläuft. Nicht dass ich Largo jetzt in allen Fällen zustimmen würde, aber rein vom Beobachtungsstandpunkt her, hat er halt eine relativ große Datenbasis.“

Ja, das ist eine gute Frage (meine ich jetzt, HRP…). Den „Kern“ des Buches finde ich ganz gut, es geht darin viel um die Beziehungen, die wir zu den Babys unterhalten, und die Eltern werden darin bestärkt, sich auf die Bedürfnisse der seltsamen Kleinen einzulassen… Aber das mit den Sprüngen ist schon eine ziemlich wackelige Konstruktion, und sie ist ja auch nicht (anders als etwa Remo Largo´s Babyjahre, denen eine ziemlich aufwändige Längsschnittstudie über den Entwicklungsverlauf von Kindern zugrunde liegt) irgendwie wissenschaftlich im Sinne von standardidierten Beobachtungen abgesichert. Kinder wachsen möglicherweise schon in „Sprüngen“ – das heisst, viele Verhaltensweisen beruhen auf Kompetenzen, die sich sozusagen eine Weile unbemerkt entwickeln, um dann eines Tages für die Eltern offensichtlich zu werden. Das Baby dreht sich „auf einmal“, sitzt „auf einmal“ frei, läuft auf einmal – die dazu nötigen Kompetenzen haben sich aber sozusagen unter der Oberfläche schon lange nach und nach aufgebaut. Aber dass die Entwicklungssprünge, egal auf welcher Ebene, bei allen Kindern einheitlich wären, ist natürlich eine putzige Behauptung, dafür ist die Varianz der Entwicklung viel zu groß (siehe Remo Largos Babyjahre…). Der Korridor, in dem sich Kinder entwickeln ist sogar so breit, dass die meisten Kinder auf mindestens einer der Entwicklungsebenen – ob motorisch, sprachlich, sozial, emotional usw. – den anderne Kindern im ersten Lebensjahr gut und gerne mal ein Viertel ihres Lebensalters voraus oder aber hinterher sind. Schon das führt zu einem heillosen Durcheinander beim „Springen“… Zudem: Mädchen entwickeln sich anders als Jungs, Kinder mit mehr Temperament anders als solche mit weniger stramm gezogenen Saiten, dazu kommt noch, dass jedes zehnte Kind früh geboren ist und dann sowieso seine „Sprünge“ anders setzt. Also das mit den Sprüngen, bei allem Respekt vor dem sonstigen Inhalt des Buchs, ist schon ein witziger Aufhänger. Vielleicht haben die Holländer mit ihrer Seefahrer-Vergangenheit da eine Ader dafür, das Schiff am Horizont ist ja auch auf einmal da.

Dass das für die Leser funktioniert liegt glaube ich daran, dass uns das Denken in solchen Mustern entlastet – ja, es ist gerade schwierig mit Kleinchen, aber entweder liegt das daran, dass gerade ein Sprung ansteht – wunderbar, ich würde mir so was auch gerne an manchen Tagen sagen können… Es ist wie beim Kinderarzt – natürlich bringt der „Hustenlöser“ nichts und die Nasentropfen auch nichts (und dazu gibt es auch gute Wissenschaft, wo etwa statt Hustensaft ein Plazebosaft mit nach Hause gegeben wird) – aber auch das ist gesichert: wenn man einen Saft verordnet, meinen die Eltern eher, der Husten werde besser, und dagegen ist ja weder aus Sicht des Kinderarztes noch aus Sicht der Eltern etwas einzuwenden. Klar, ein bisschen eine Schummelei, aber eigentlich doch Win-win – wie bei den „Sprüngen“…

21 Gedanken zu „Die Sprünge, Antwort auf @Wunschkind

  1. Ich muss mich auch mal einem Teil der Kommentare anschließen, da ich auch zu den Eltern gehöre, die sich das Buch Oje ich wachse gekauft haben. Mir wurde es in der Familie empfohlen und ich werde es auch jedem weiter empfehlen, da es sehr interessant und hilfreich ist.
    Wenn man das Buch liest, merkt man schnell, dass es nicht wirklich um „Sprünge“ geht, sondern um Schübe geht, die mehrere Wochen sind… man geht auch von ca Anfaben aus und es wird betont, das es bei manchen eher, oder später los geht… desweiteren wird nie geschrieben, das Baby muss jetzt die und die Fähigkeit entwickeln, sondern verschiedene Ebenen aufgeführt und auch betont, man solle beobachten, in welche Richtung sein Kind sich bewege und entscheide.
    Ach sind verschiedene Altersgerechte Spiele aufgeführt, genauso wie Spielzeug und Alltagsgegenstände… auch Tips, wie man seinem Baby helfen kann und wie man manches vielleicht üben könnte.

    Das Buch ist keineswegs ein stupider Leitfaden und ich gehöre definitiv nicht zu den Eltern, dessen Kind nach einem Fahrplan funktionieren muss oder hofft, dass mein Kind schneller in der Entwicklung ist wie das Kind von x, y oder z…
    Ich lasse meine, Kind alle Zeit der Welt und so viel Platz wie es möchte… aber ich möchte es auch verstehen und ihm helfen und als dies seh ich das Buch an… als Hilfsmittel.

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