Die Sprünge, Antwort auf @Wunschkind

Danke, Herr Grimpe – ich weiß jetzt als Neu-Blogger nicht wirklich, ob ich das nicht besser neu posten soll, weil es vielleicht für andere auch interessant ist, also… Sie haben das geschrieben:

„@Wunschkind: Ob sich “Entwicklungsschübe” (nach van de Rijt) wirklich mit einer eher wissenschaftlich untermauerten Sicht auf Kinder wirklich vertragen? Das Buch (Oje …) verkauft sich wie geschnitten Brot, aber liegt das nicht viel eher daran, dass es nahezu perfekt unser archaisches Verlangen nach Kausalität befriedigt? Ich persönlich habe eigentlich nie verstehen können, warum ein komplexes biologisches System (Kind) sich “sprunghaft” entwickeln sollte und dann auch noch nach einem ziemlich genau festgelegten Zeitplan? Ich habe bislang auch noch nicht davon gehört, dass diese Thematik mal von anderen wissenschaftlich untersucht worden wäre. Gerade wenn man zb Largos “Babyjahre” anschaut, dann sieht man ja wie groß die Spannbreite ist, in der die Entwicklung abläuft. Nicht dass ich Largo jetzt in allen Fällen zustimmen würde, aber rein vom Beobachtungsstandpunkt her, hat er halt eine relativ große Datenbasis.“

Ja, das ist eine gute Frage (meine ich jetzt, HRP…). Den „Kern“ des Buches finde ich ganz gut, es geht darin viel um die Beziehungen, die wir zu den Babys unterhalten, und die Eltern werden darin bestärkt, sich auf die Bedürfnisse der seltsamen Kleinen einzulassen… Aber das mit den Sprüngen ist schon eine ziemlich wackelige Konstruktion, und sie ist ja auch nicht (anders als etwa Remo Largo´s Babyjahre, denen eine ziemlich aufwändige Längsschnittstudie über den Entwicklungsverlauf von Kindern zugrunde liegt) irgendwie wissenschaftlich im Sinne von standardidierten Beobachtungen abgesichert. Kinder wachsen möglicherweise schon in „Sprüngen“ – das heisst, viele Verhaltensweisen beruhen auf Kompetenzen, die sich sozusagen eine Weile unbemerkt entwickeln, um dann eines Tages für die Eltern offensichtlich zu werden. Das Baby dreht sich „auf einmal“, sitzt „auf einmal“ frei, läuft auf einmal – die dazu nötigen Kompetenzen haben sich aber sozusagen unter der Oberfläche schon lange nach und nach aufgebaut. Aber dass die Entwicklungssprünge, egal auf welcher Ebene, bei allen Kindern einheitlich wären, ist natürlich eine putzige Behauptung, dafür ist die Varianz der Entwicklung viel zu groß (siehe Remo Largos Babyjahre…). Der Korridor, in dem sich Kinder entwickeln ist sogar so breit, dass die meisten Kinder auf mindestens einer der Entwicklungsebenen – ob motorisch, sprachlich, sozial, emotional usw. – den anderne Kindern im ersten Lebensjahr gut und gerne mal ein Viertel ihres Lebensalters voraus oder aber hinterher sind. Schon das führt zu einem heillosen Durcheinander beim „Springen“… Zudem: Mädchen entwickeln sich anders als Jungs, Kinder mit mehr Temperament anders als solche mit weniger stramm gezogenen Saiten, dazu kommt noch, dass jedes zehnte Kind früh geboren ist und dann sowieso seine „Sprünge“ anders setzt. Also das mit den Sprüngen, bei allem Respekt vor dem sonstigen Inhalt des Buchs, ist schon ein witziger Aufhänger. Vielleicht haben die Holländer mit ihrer Seefahrer-Vergangenheit da eine Ader dafür, das Schiff am Horizont ist ja auch auf einmal da.

Dass das für die Leser funktioniert liegt glaube ich daran, dass uns das Denken in solchen Mustern entlastet – ja, es ist gerade schwierig mit Kleinchen, aber entweder liegt das daran, dass gerade ein Sprung ansteht – wunderbar, ich würde mir so was auch gerne an manchen Tagen sagen können… Es ist wie beim Kinderarzt – natürlich bringt der „Hustenlöser“ nichts und die Nasentropfen auch nichts (und dazu gibt es auch gute Wissenschaft, wo etwa statt Hustensaft ein Plazebosaft mit nach Hause gegeben wird) – aber auch das ist gesichert: wenn man einen Saft verordnet, meinen die Eltern eher, der Husten werde besser, und dagegen ist ja weder aus Sicht des Kinderarztes noch aus Sicht der Eltern etwas einzuwenden. Klar, ein bisschen eine Schummelei, aber eigentlich doch Win-win – wie bei den „Sprüngen“…

21 Gedanken zu „Die Sprünge, Antwort auf @Wunschkind

  1. Ich habe das Buch so verstanden, dass das Gehirn Entwicklungsschübe macht, ähnlich dem oder denen, die bei Teenagern beobachtet wurden. Dieses ermöglicht den Kindern Neues zu lernen, was jedes in seinem Tempo macht – was auch immer betont wird. So jedenfalls habe ich das Buch verstanden. Und mir persönlich hat es am Anfang sehr geholfen. Einfach zu wissen dass mein Baby nichts hat, es ihm gut geht, es einfach nur eine anstrengende Zeit durch macht, die wieder alles durcheinander würfelt. Je älter es wird, desto sicherer bin und werde ich im Umgang und Verstehen mit meinem Baby.

  2. Die Frage nach der Hustensaft-Schummelei würde uns jetzt über Ben Goldacre („Dürfen Ärzte lügen, wenn es dem Patienten nützt?“), evtl über einen Ausflug in die Evolution („wollen wir Erkenntnis, oder nur Erfolg?“) ziemlich schnell zur Esoterik führen („Wer heilt, hat recht!“) und dann würde man ggf auch konstatieren müssen, dass das bezeichnete Buch eher etwas von einem Horoskop hat. Und James Randi hat in einem Versuch mit Studenten ja mal sehr schön gezeigt, wie sehr wir bereit sind, Dinge so zu „interpretieren“ wie sie uns von vermeintlich Wissenden beschrieben werden. Aber das führt im Rahmen dieses Blogs wohl doch etwas zu weit 😉

    Das mit der (möglichen) sprunghaften Entwicklung mag ich allerdings immer noch nicht so recht glauben. Sie als Kinderarzt und Wissenschaftler haben da natürlich eine größere Datenbasis, während ich im Prinzip nur Anekdoten zum Besten geben kann. Trotzdem erscheint mir das Ganze doch sehr einer binären Logik zu entsprechen: Steht, steht nicht; Sitzt, sitzt nicht usw. Nicht dass ich was gegen binäre Logik habe (hab ja auch mal als Programmierer gearbeitet und interessiere mich immer noch dafür), aber irgendwie lässt die sich selten gut auf biologische System anwenden (da kommt man mit fuzzy logic wohl meist weiter). Jedenfalls habe ich bei meinen (nur) zwei Kindern bislang nicht das Gefühl gehabt, dass da was „springt“. Klar gab es bei beiden irgendwann den Moment, wo sie „frei“ standen. Aber der erste Versuch war so kurz, dass man kaum entscheiden konnte, wann es „frei“ und wann mit halten war. Und ab wann steht man frei? Wenn man 5 Sekunden schafft, nach 1 Minute oder nach 30 Minuten? Da ist also schon im betrachteten „Lernziel“ selbst die Kontinuität eingebaut. Und natürlich war vor dem freien Stehen das mit festhalten. Davor das „Ziehen“ während man ggf auf den Knien ist, im Sitzen etc. Jedenfalls sehe ich da auf die Schnelle nichts „sprunghaftes“.
    Ich habe besagtes Buch nicht gelesen (würde ich gern, aber ich will weder Verkaufszahlen noch das Einkommen der Autoren nach oben treiben), aber gibt’s da nicht für jeden Entwicklungsschritt auch noch „Spiele-Tipps“? Dann wird doch gleich wieder die elterliche Förderbereitschaft gepusht, frei nach dem Motto, dass man seinem Kind unbedingt „helfen“ muss – weil es offensichtlich selbst dazu nicht in der Lage ist, mit seinen Fähigkeiten was sinnvolles anzufangen -> Defizittheorie?

    • Nachtrag: Es gibt ne Oje ich wachse FB-Seite. Und da wird unter anderen eine (käuflich zu erwerbende) App beworben (Zitat!) :
      „Zu jeder Tageszeit können Sie feststellen, in welcher Phase seiner mentalen Entwicklung Ihr Baby sich bis zum Alter von anderthalb Jahren befindet.“

      Sobald der Nachwuchs mal quengelig ist, wird das Handy rausgeholt und der passende Schub gesucht? Passenderweise gibt auch eine Webseite mit „Sprüngewecker“ (nach Anmeldung mit Namen, Geburtstermin etc), wo man offensichtlich zum passenden Zeitpunkt per EMail daran erinnert, oder darauf vorbereitet wird, dass demnächst mal wieder geschubt wird. Ist ja fast schon wie die Erinnerung vom Heizungsbauer, dass demnächst mal wieder ne Wartung fällig wäre. Praktische Sache!

      Vornehme Zurückhaltung in allen Ehren, aber manchmal muss man auch mal nach dem Grundsatz „If it walks like a duck and quacks like a duck“ vorgehen. Und ein Buch das zu solchen … Entgleisungen (?) führt, kann man kaum noch als „harmlos“ bezeichnen. Da wird doch insgesamt ein Menschen(kinder)bild vermittelt, was so zum einen gar nicht real ist und zum anderen noch nicht mal wünschenswert wäre. YMMV.

    • Lieber Herr Grimpe,
      ich muss zugeben, ich finde es immer etwas… nennen es doch einfach „seltsam“, wenn jemand ein Buch bewertet, ohne es selbst gelesen zu haben. Ich will gar nicht allzusehr ins Detail gehen, dennoch möchte ich sagen, dass in „Oje, ich wachse“ immer wieder betont wird: „Jedes Kind ist anders! Dies und jenes sind Bereiche, in denen die Entwicklung zu dieser und jener Zeit schnell voran gehen KANN, nicht MUSS!“ Ich habe nämlich den Eindruck, Sie denken, da stünden Dinge wie: „Ihr Kind ist 19. Wochen alt. Es kann sich jetzt auf den Bauch drehen!“ (Und ich übertreibe nun bewusst, sehen Sie mir das bitte nach!) Dem ist aber nicht so. Ebenso ist es nicht der Fall, dass die „Zeitfenster“ eng gefasst sind, es geht hierbei immer um Plus-Minus-Aussagen. Zu den Spieletipps kann ich nur sagen: Ich habe diese nie als „Push“ erlebt, auch nicht als „Wenn Sie das nicht machen, wird ihr Kind es nicht (oder zumindest langsamer) lernen“, sondern eben als Anregung, die neuen Möglichkeiten des Kindes zu nutzen und darauf einzugehen – vieles mache zumindest ich sowieso vom Bauchgefühl her, Flieger spielen oder Hoppe-Hoppe-Reiter, Kuckuck und ähnliches.
      Die angesprochene App kenne ich nicht, stimme Ihnen aber zu, dass die Werbung dafür reichlich missverständlich ist (und vielleicht Ihre negative Vorstellung vom Buch weiter unterstützt!)…
      Langer Rede kurzer Sinn: Ich denke, es ist wie bei vielem im Leben. Man darf es nicht auf die Goldwaage legen. Viele der Verhaltensweise, die als „typisch“ für den besagten Sprung beschrieben werden, treffen auf meinen Sohn zu, eben um den Zeitraum herum, nicht „auf die Minute genau“. Und ich stimme Andrea zu: Es beruhigt ungemein und hilft, das eigene Kind etwas besser zu verstehen. Mir selbst zum Beispiel tut es gut, die Aussagen anderer Eltern zu lesen, die auch im Buch festgehalten sind, und zu sehen: „Hey, anderen geht es ja genauso!“
      Ob man nun der Sprünge-Theorie zustimmt oder nicht, das muss jeder für sich entscheiden. Auch, ob man das Buch lesen möchte (und dies auch tut) oder nicht. Doch wie bereits anfangs gesagt, zu urteilen, ohne es zu kennen, halte ich für problematisch. Vielleicht besorgen Sie es sich doch einmal (zur Not in der Bücherei oder gebraucht) und bilden sich nach der Lektüre Ihre Meinung!
      Mit den besten Grüßen,
      Tina Rönz

  3. Hallo,
    zunächst einmal danke für Ihr Engagement, zu bloggen, worauf ich im Allgemeinen sehr gespannt bin.
    Zu den Kommentaren bzgl. Entwicklungssprünge:
    Ich finde, gerade das hat Herr Renz-Polster doch schon erstaunlich versöhnlich oben beschrieben – es sind Sprünge, für die, die es so sehen (weil sie die vorher eher unterschwellig ablaufende Entwicklung vielleicht nicht so wahr oder ernst genommen haben). Für andere sind es vielleicht eher gleichmäßigere Entwicklungen – auch, weil sie es so sehen. Es liegt also mal wieder im Auge des Betrachters. Und ist auch eigentlich nicht so wichtig (???).
    Herzliche Grüße!

  4. @ Ingbert Grimpe,

    ich finde Ihre Postings sehr interessant und teile im Grundsatz Ihre Skepsis bezüglich der wissenschaftlichen Belegbarkeit und dem etwas seltsamen Menschenbild des „getakteten“ Wesens, das sich nur in Sprüngen bewegt.

    Als Still- und Laktationsberaterin komme ich allerdings jeden Tag mit vielen jungen Müttern (und manchmal auch Vätern) in Kontakt, die das Buch so sehr schätzen, weil es ihnen mentale Entlastung bietet. Wenn man es liest, hat das Kind (v.a. in den ersten 6 Monaten) genaugenommen nahezu pausenlos „einen Sprung“ (…in der Schüssel…? ;-)) gerade vor sich, gerade hinter sich oder steckt gerade mittendrin. Dann steht da was davon, dass das Kind aus diesem Grund zur Zeit unruhig ist, anhänglich, nachts öfter aufwacht oder besonders viel Aufmerksamkeit fordert.
    Eltern wollen diesen Bedürfnissen meist instinktiv nachgeben, haben aber gleichzeitig die ewige Angst vor dem Verwöhnen und müssen sich zudem häufig gegenüber Großeltern oder anderen Leuten aus dem Umfeld rechtfertigen. Und dann hilft ihnen das Buch mit seinen simplen Kochrezepten sehr: Ja, mein Kind ist zur Zeit schwierig, es macht aber gerade mal wieder einen Sprung. Weil das also kein „Fehlverhalten“ ist, sondern ganz normal für sein Alter, darf ich es ruhig herumtragen, trösten, lieb haben, usw. Ich muss keine Angst haben, dass es mich manipulieren will oder bereits Anzeichen von „Verwöhntsein“ zeigt und meinen Nachbarn gegenüber kann ich gleich genauso argumentieren, wenn sie mir mal wieder reinreden wollen.

    Es ist nach meiner Beobachtung leider noch immer so: die größte Angst der deutschen Eltern (und der Gesellschaft allgemein, wenn es um Kinder geht, das nur nebenbei bemerkt) ist es, seine Kinder zu sehr zu verwöhnen und dann später fürchterlich unsoziale Tyrannen im Haus zu haben (Siehe die entsprechenden gruseligen Bestseller dazu…). Wir fürchten uns nicht davor, unseren Kindern nicht gerecht zu werden, sie zu misshandeln oder ihnen nicht genug Wärme zu geben – wir fürchten uns vor dem Verwöhnen. Und genau gegen diese Furcht ist das benannte Oje…-Buch ein ganz brauchbares Hilfsmittel. Ich selbst empfehle es den Eltern nicht, aber sie lassen es untereinander kreisen und lieben es meistens. Und wenn es dazu beitragen kann, dass Eltern sich entspannt auf die individuellen Bedürfnisse ihres Kindes einstellen können, bin ich eindeutig dafür, das Buch wohlwollend zu betrachten :-))

    Herzliche Grüße,
    Anja Bier

  5. Es ist in der Tat schwierig zu diskutieren, wenn das Buch nicht gelesen wurde (@Ingbert). Sie beziehen sich vor allem auf die körperliche Entwicklung – bei den Entwicklungssprüngen geht es maßgeblich um die Entwicklung der kognitiven – also nicht der motorischen – Fähigkeiten. Es wird auch nicht behauptet: In der 19. Woche passiert exakt „das“ – vielmehr wird ein Zeitfenster angegeben, bei dem bestimmte Fähigkeiten erworben werden. Ich lese in vielen Foren mit und es ist durchaus sehr auffällig, dass Kinder in einem bestimmten Alter exakt die gleichen Verhaltensweise aufweisen. Das ist insbesondere um die 5., 8. und 12. Woche der Fall. Aber auch zu späteren Zeiten ist das erstaunlich oft genau so, dass die Kinder um bspw. die 64. Woche (15. Monate) deutlich nörgeliger werden und schlechter schlafen – das habe ich schon so oft beobachtet.

    Ich war selbst skeptisch – aber beide meiner Kinder hatten relativ exakt gute und schlechte Phasen nach dem abgebildeten Schema. Zufall? Selbst wenn – die Literatur hat zumindest dazu geführt, dass man sich bewusst gemacht hat: Es ist eine Phase, die vorbei gehen wird. Und allein das hatte enormen Trostcharakter – Trost und Zuversicht ist etwas, das man bei schwierigen Babys nicht genug bekommen kann, weil sie einen an die Grenzen bringen. Die paar Euro sind da sicher nicht falsch angelegt. Ich kann nachvollziehen, dass man das Ganze für unsinnig hält, wenn die eigenen Kinder nicht schubten – aber ich bin nun wirklich weder leichtgläubig noch beeinflussbar – aber dennoch bin ich überzeugt, dass es diese Schübe gibt. Vielleicht wird das ja irgendwann doch noch mal Gegenstand von Untersuchungen.

    Was mich jetzt interessiert: Warum helfen denn Nasentropfen nichts, Herr Dr. Renz-Polster? Dass Hustensaft sinnlos ist, das habe ich jetzt auch oft gelesen, aber dass Nasentropfen nichts nützen, ist mir neu. Sie beschleunigen sicher nicht die Heilung – lindern doch aber das Leiden – oder?

  6. Nasentropfen – ich meinte da den oft reflexartigen Einsatz von abschwellenden Nasentropfen bei Infektionen der oberen Luftwege und auch bei beginnender Mittelohrentzündung „damit das sich nicht zu einer eitrigen Mittelohrentzündung auswächst“ – da gibt es keinen Hinweis, dass daszur Vorbeugung von Verschlimmerungen taugt ((s. z.B. Cochrane Review: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18646076)). Was anderes ist die Gabe zur Linderung. Da können Nasentropfen schon helfen eine Zeitlang besser Luft zu kriegen. Sorry für die missverständliche Formulierung!

    HRP

  7. @HRP: Danke für den Hinweis. Bzgl MOE und Nasenspray war das ziemlich genau der Wortlaut unserer KiÄ 😉 Werde ihr bei Gelegenheit mal den Link zukommen lassen.
    BTW: Vielleicht wäre eine Blogkategorie zu medizinischen „Mythen“ mal ganz interessant?

    @All: Ja, ich habe das Buch nicht gelesen. Und nein, das macht nix. Denn es geht mir ja nicht um das Buch als solches, sondern um das Konzept/die Idee von „Sprüngen“ und im besonderen um das angeblich recht vorhersehbare Auftreten dieser „Ereignisse“. Das Buch an sich soll ja nach Amazon Rezensionen eher „schlecht“ geschrieben sein (viele Widerholungen, unkommentierte Zitate etc) – und sagen auch viele, die das Buch ansonsten mit 4/5 Sternen bewerten.

    Ich habe versucht die Originalstudie zu finden, aber die gibt’s nur für Geld und 200 Euronen wollte ich dafür nicht ausgeben. Ich habe allerdings den Volltext einer katalanischen Studie gefunden (http://revistas.ucm.es/index.php/SJOP/article/download/SJOP0202120036A/29388), die explizit dieselben Sachen untersucht. Viel interessanter fand ich aber eine niederländische Studie (van Geert, de Weerth, http://dissertations.ub.rug.nl/FILES/faculties/gmw/1998/c.de.weerth/c2.pdf), die explizit das Design von Ploij übernimmt um die Originalergebnisse zu reproduzieren. Und die fand zwar „Phasen“, aber eben nicht in der Anzahl (versch. je Kind) und auch nicht in der „geforderten“ zeitlichen Verteilung. Sehr schön geht man hier imho auch auf die Problematik der Datenerfassung ein, aber wirft auch die Frage auf, ob die ursprünglichen Kriterien überhaupt geeignet sind um „mentale“ Entwicklung zu messen. Mir persönlich fehlt bei allem (wie üblich, und das ist auch bei Largo mein Hauptkritikpunkt) die kulturübergreifende Betrachtung, denn imho kann nur die Ergebnisse für „alle“ Kinder bringen/bestätigen. Und Holland, Schweden, Spanien am Ende des 20. Jh sind nun nicht wirklich unterschiedliche Kulturen in diesem Kontext.
    Fakt ist: Kinder sind mal schlechter und mal besser drauf. ICH bin auch mal schlechter und mal besser drauf. Heißt das jetzt, dass mit fast 45 meine geistige Entwicklung immer noch nicht abgeschlossen ist und ich schube?

    Was ich gegen dieses (und andere ähnliche Bücher) habe? Sie „helfen“ doch? Mag sein, aber es sind nun mal mit großer Wahrscheinlichkeit reine Placebos. Ich hab nix gegen Placebos, bin im Gegenteil einer der größten Fans von Placebos bzw ihrer Wirksamkeit (der erste, der rausfindet, WIE die jetzt genau funktionieren, bekommt vermutlich den Nobelpreis). Aber ich habe was dagegen, wenn Placebos (mit ggf fragwürdigem Theoriegebäude) als „Wahrheit“ verkauft werden. Wer heilt, heilt. Punkt. „Recht“ hat er damit aber noch lange nicht!
    Wenn man schon meint, dass „einfache Kochrezepte“ für Eltern eine Hilfe sein können, warum propagiert man dann nicht das einfachste Rezept der Welt? „Locker bleiben!“. Oder wie Douglas Adams schon auf den Hitchhiker (’s Guide To The Galaxy) druckte: „Don’t Panic!“. Es mag sein, dass ich altersmäßig im Vorteil bin (weil man ja im Laufe des Lebens üblicherweise gelassener wird) oder vielleicht mag es auch daran liegen, dass ich im allgemeinen zur „geht scho'“ Fraktion gehöre, aber was ist denn passiert, dass seit einiger Zeit (?) das Kindererziehen mit so viel Angst und Unsicherheit verbunden ist? Und sind „Ratgeber“ dann eher eine Lösung oder vielmehr das Problem? Das schönste an „B2BW“ fand ich eigentlich immer, dass zwischen den Zeilen irgendwie immer steht, dass man sich eigentlich schon anstrengen muss, wenn man beim Kinder großziehen etwas RICHTIG falsch machen will (was mir entgegenkommt, da ich Fan des Pareto-Prinzips bin). Wieso glaubt aber „jeder“ inzwischen, dass man aus seinem Kind bitte mindestens 100% „Leistung rausholen“ muss (besser noch 115%)? Und dabei bitteschön auch immer fein „helfen“, damit das Kind ja nix verpasst. Das ist doch genau die Defizitsicht gegen die sich HRP in seinen Büchern ausspricht, oder?

    • Lieber Ingbert,

      das was Du schreibst, ist genau der Inhalt unseres aktuellen Artikels zum „Bauchgefühl“ – ich versuche da zu erklären, warum die Verunsicherung um sich greift. Wenn man kein Bauchgefühl hat oder dieses ganz offensichtlich falsch ist, dann nutzt einem „locker bleiben“ gar nichts. Im Gegenteil – der ständige Appell, dass es im Grunde doch alles einfach sei und man doch auf seinen „Instinkt“ hören möge – führt dazu, dass Mütter sich erst recht unzulänglich fühlen, wenn sie diesen gar nicht haben. In dem Artikel nehme ich auch auf die Ausführungen von Dr. Renz-Polster Bezug, die feststellen, dass unsere vermeintliche Intuition auf implizitem Lernen beruht. Wer jedoch keine Möglichkeit hatte, Erfahrungen im Umgang mit Kindern zu sammeln (und das ist heute verbreiteter, als man annehmen würde), der fühlt sich eben unsicher und dann hat man das Bedürfnis, sich bestimmte Dinge zu erlesen. Dabei geht es gar nicht um „100% rausholen“ – dabei geht es um „keine gravierenden Fehler machen“. Und nach so ziemlich umfassendem Literaturstudium (das durchaus auch fundiertere Literatur als „Oje ich wachse“ umfasste), bin ich persönlich zu der Erkenntnis gekommen, dass man durchaus so einiges falsch machen, was sich für viele rein intuitiv gut und richtig anfühlt. Das geht von Auszeiten über Loben, Konsequenz, Belohnen und Strafen. Und wenn ich so mein Umfeld betrachte, kann ich im Grunde nur resümieren: Es sollte mehr gelesen und weniger nach Bauchgefühl gehandelt werden :-).

    • Doch, es wäre schon sinnvoll gewesen, das Buch zuerst zu lesen.
      Denn der Autor betont ungefähr fünf Mal pro Seite, dass so ein „Sprung“ der frühst mögliche Zeitpunkt darstellt, an dem eine Fähigkeit auftreten kann. Kann, nicht muss. Die Fähigkeit kann dann aber tatsächlich auch erst ein halbes Jahr später auftreten. Der Autor wiederholt das zig Mal.
      Sie werfen dem Buch also etwas vor, was dort gar nicht behauptet wird.
      (ich stehe ihm übrigens auch kritisch gegenüber, aber wegen anderen Dingen)

    • whow, ich habe mir das gerade ausgedruckt, samt der Literatur, denn ich muss echt sagen da war ich ganz unbeleckt, was die Literatur angeht. Ein Blog als wissenschaftliches Symposium, wunderbar!
      Ja, klar, wer heilt hat Recht, das hört man in allen möglichen Variationen, und auch, dass Plazebos eigentlich sehr wirksam sind, aber ärztlicherseits rümpft man dann doch gerne die Nase: Placeboeffekt, alos ich doch nicht! Vielleicht die Hebammen mit ihren Kügele… Ein echter Zirkus sozusagen. Und dazu hat schon der Arzt Sydenham im 17. Jahrhundert das gesagt: Ein Clown, der mit einem Zirkus in die Stadt kommt, bringt dem Volk mehr Gesundheit, als eine Karawane vollgepackt mit Medikamenten… So jetzt aber echt Auto packen und ab. Grüßle, HRP

  8. And now for something completely different …

    Zwei Hinweise vielleicht:

    1. (an den schreibenden Doktor): Wenn man ein Buch schreibt und öffentlich vorstellt und wenn man ne Webseite, einen Blog und ne Facebook-Seite hat, dann wäre es ggf angebracht, dafür WERBUNG zu machen 😉 Ich tu das dann einfach mal: http://www.babylonberlin.de/literaturlive.htm#Di,_24.09.2013_-_20:00
    Für mich ist Berlin jetzt ein bißchen jwd, aber angeblich sollen in der Stadt ja doch ein paar Menschen wohnen und der ein oder andere könnte ja ggf Interesse haben.

    2. Im aktuellen Spiegel (Nr. 33) ist das Titelthema „Achtung! Eltern!“. Geht um die Generation Hubschrauber, die selbst im Studium am liebsten noch mit dem Sprößling im Hörsaal sitzen. Ein bißchen Förderwahn etc wird auch skizziert. Zitat einer Studienberaterin:
    „Lehnen sie sich zurück, kommen sie raus aus ihrer Verkrampfung. Die Noten sind gut, Klavier kann er schon, Tennis spielt er auch. Was soll denn noch alles in dieses Kind rein, damit es auf dem Arbeitsmarkt reüssiert?“
    Der letzte Halbsatz passt ja auch ganz gut zu „Menschenkinder“.

  9. Zitat Grimpe: „Was ich gegen dieses (und andere ähnliche Bücher) habe? Sie “helfen” doch? Mag sein, aber es sind nun mal mit großer Wahrscheinlichkeit reine Placebos. Ich hab nix gegen Placebos, bin im Gegenteil einer der größten Fans von Placebos bzw ihrer Wirksamkeit (der erste, der rausfindet, WIE die jetzt genau funktionieren, bekommt vermutlich den Nobelpreis). Aber ich habe was dagegen, wenn Placebos (mit ggf fragwürdigem Theoriegebäude) als “Wahrheit” verkauft werden. Wer heilt, heilt.“

    Bekomme ein Kind. Sei mit ihm zusammen – Tag und Nacht. Höre auf Dein Bauchgefühl (wird momentan modern als Bindungsorientierte Erziehung bezeichnet). Verhalte Dich Deinem Kind gegenüber Bedürfnissorienteirt – und Du wirst feststellen dass es Phasen in dem kurzen Leben Deines Kindes geben wird, in dem Du es nicht mehr wiedererkennst, alles auf den Kopf gestellt ist und Du sehr verunsichert bist. Schließe Dich (dank Facebook und entsprechenden Foren) mit anderen in Deiner Situation zusammen und tausche Dich (mit Angabe der Wochen, die Dein Kind alt ist) mit ihnen aus. Und Du wirst auch ganz ohne Placebos und Bücher und Regentanz feststellen, dass die Muttis immer um die 4-6 Woche und ca. 12 Woche um Rat fragen, ein anstrengendes Kind haben, ein anhängliches Kind haben, ein Kind haben das plötzlich nicht mehr schläft oder nurnoch stillt. Du kannst von dem Buch halten was Du möchtest. Ich als „betroffene“ kann hautnah berichten und erlebe entsprechendes hautnah mit. Sei es nun virtuell oder real.

    Es ist immer interessant die Meinung von jemandem zu erfahren, der garnicht richtig involviert ist und nur von außen drauf schaut 😉

    Du fragtest was passiert ist, das man solche Bücher brauch. Ganz einfach, man ist als Familie alleine. Man kann niemanden wirklich um Rat fragen, hat meistens noch kein Kind groß werden sehen und wenn, dann nur mit einem gewissen Abstand, denn es gibt keine großen Familienverbünde mehr. Mein Kind ist mein erstes Kind – in jeder Hinsicht. Ich bin nicht mehr jung, gut ausgebildet und war immer berufstätig, hatte aber noch nie etwas mit Kindern zu tun. Wenn nun mein Kind 4 Wochen ist wie es ist und dann plötzlich auf links gedreht ist, dann mache ich mir Sorgen, bin verunsichert. Weil ich nicht weiß, dass dieses auf links gedrehte Kind völlig normal ist. Das es gerade dabei ist zu lernen, seine Welt auf eine neue Art wahrnemen zu können.

    Man bekommt durch die aufgesplitteten Familien keinerlei Hintergrundinfos mehr, bevor man selbst ein Kind hat. Dann steht man da, mit diesem kleinen, zarten, unschuldigen und so schutzbedürftigen Wesen. Bei allem wird man nur auf die Menscheit losgelassen, wenn man alles darüber kennt und dies durch Prüfungen belegt hat. Nur nicht bei unseren Kindern. Da weiß man nichtmal die einfachsten Dinge. Nicht das Clusterfeeding normal ist, nicht das die Fußnägel anfangs aussehen können als wären sie eingewachsen, das aber völlig normal ist (was für ein Schreck! Ich hab mein armes Baby schon mit einem aufgeschnittenen großen Onkel gesehen – was für eine Qual bei dem ausgeprägten Beschützerinstinkt den man als hormondurchtränkte Neu-Mutti hat).

    In diesem Sinne: ist das Buch ein Placebo? Mag sein. Wirkt es? Ja. Also wtf, besser als nichts!

    Last, but not least: „Fakt ist: Kinder sind mal schlechter und mal besser drauf. ICH bin auch mal schlechter und mal besser drauf. Heißt das jetzt, dass mit fast 45 meine geistige Entwicklung immer noch nicht abgeschlossen ist und ich schube?“
    Ich hoffe sehr für Dich (und jeden anderen, mich eingeschlossen) dass Deine geistige Entwicklung nicht abgeschlossen ist. Das wäre wohl das schlimmste was Dir (und uns?) passieren könnte 😉

    Lockere Grüße

  10. Schön geschrieben.
    Manche könnten zwar auf eine grosse Familie zurückgreifen und die fragen, es gibt auch Mütterberatungen und was noch alles.
    Aber viele von uns wollen das nicht mehr. Wir möchten es anders machen, als unsere Mütter, die noch die Philosophie einer Johanna Haarer eingeimpft bekamen und diese an uns weiterreichen. Nein danke!
    Und ja, deshalb ist es schön gibt es Bücher wie das von Largo oder das von HRP, die uns erlauben das alles etwas gelassener zu sehen.

  11. Ich muss mich auch mal einem Teil der Kommentare anschließen, da ich auch zu den Eltern gehöre, die sich das Buch Oje ich wachse gekauft haben. Mir wurde es in der Familie empfohlen und ich werde es auch jedem weiter empfehlen, da es sehr interessant und hilfreich ist.
    Wenn man das Buch liest, merkt man schnell, dass es nicht wirklich um „Sprünge“ geht, sondern um Schübe geht, die mehrere Wochen sind… man geht auch von ca Anfaben aus und es wird betont, das es bei manchen eher, oder später los geht… desweiteren wird nie geschrieben, das Baby muss jetzt die und die Fähigkeit entwickeln, sondern verschiedene Ebenen aufgeführt und auch betont, man solle beobachten, in welche Richtung sein Kind sich bewege und entscheide.
    Ach sind verschiedene Altersgerechte Spiele aufgeführt, genauso wie Spielzeug und Alltagsgegenstände… auch Tips, wie man seinem Baby helfen kann und wie man manches vielleicht üben könnte.

    Das Buch ist keineswegs ein stupider Leitfaden und ich gehöre definitiv nicht zu den Eltern, dessen Kind nach einem Fahrplan funktionieren muss oder hofft, dass mein Kind schneller in der Entwicklung ist wie das Kind von x, y oder z…
    Ich lasse meine, Kind alle Zeit der Welt und so viel Platz wie es möchte… aber ich möchte es auch verstehen und ihm helfen und als dies seh ich das Buch an… als Hilfsmittel.

  12. I see you share interesting things here, you can earn some additional money, your blog has big potential, for the
    monetizing method, just type in google – K2 advices
    how to monetize a website

  13. I read a lot of interesting posts here. Probably you spend a lot of
    time writing, i know how to save you a lot of time,
    there is an online tool that creates readable, SEO friendly posts
    in seconds, just search in google – laranitas free content source

Kommentar verfassen