Eine warmherzige Person

xx_Fruehe_Bildung

Hmmm, da lese ich gerade im SPIEGEL diesen Artikel. Eine Mutter schreibt etwas zum KiTa-Streik (sie findet ihn gut).

Bemerkenswerter finde ich aber das: dieser total unaufgeregte Blick auf die Frühpädagogik. Der Mutter ist vor allem wichtig, dass ihr Kind gut betreut ist. Und zwar von einer warmherzigen Person.

Wie altbacken, kann ich nur sagen. Da rackern seit 20 Jahren namhafte Experten dafür, den Eltern die KiTa als „Glied der Bildungskette“ schmackhaft zu machen (und diese Kette endet, wo denn sonst: am Arbeitsplatz…). Längst kann jede Erzieherin nachlesen, was die Kleinen brauchen – in einem Bildungsplan. Und der ist inzwischen verbindlich, seine Umsetzung muss dokumentiert werden. Schließlich gilt es, so die Ansage, „die kindliche Bildungsbiographie zu optimieren“. Glücklicherweise wimmelt es in den Kitas ja von Erzieherinnen, die statt mit Kindern gerne auch mit Dokumentationsbögen arbeiten.

Und jetzt das.

»Eine warmherzige Person soll für mein Kind da sein. Jemand, der den Kleinen in den Arm nimmt, wenn er hingefallen ist. Der mit ihm singt und lacht. Und der nicht überarbeitet und gestresst ist.«

Vielleicht sind die Eltern ja längst einen Schritt weiter. Vielleicht haben sie ja verstanden, dass die Entwicklung des Kindes ohne Betreuung nicht funktioniert. Mit der darin enthaltenen Wurzel der Treue: Du Kind, bedeutest mir viel, Du Kind, für Dich bin ich verlässlich da, Du Kind, wir leben diesen Teil des Tages zusammen, wir gestalten ihn aus, und haben dabei Freude. Und wir nehmen Deine kleinen Freunde da gleich mit.

Alles andere kommt danach. Die Erweiterung des Zahlenraums, die MINT-Kompetenzen, die Fachkräfte für die Wissensgesellschaft.

Warum? Weil Kinder sonderbare Menschen sind. Sie lernen nur, wo sie mit Menschen zu tun haben, die ihnen die Treue halten, ich will das bewusst noch einmal so sagen. Sie lernen dort, wo ihre eigenen Fragen beantwortet werden – nicht die eines noch so klugen Plans. Und sie lernen im Alltag, im konkreten Miteinander, mit Groß und Klein. Da wollen sie sich bewähren, spielerisch, ganz ernst. Und das können sie, wenn sie sich nur wohl, sicher und „beheimatet“ fühlen. Das können sie, wenn sie achtsam behandelt werden. Gestresste Kinder lernen nicht.

Ich habe versucht, all dies in diesem Artikel genau zu begründen. Ich empfehle ihn insbesondere Erzieherinnen und Eltern von Kindergartenkindern.

Und einstweilen wünsche ich unseren Kitas das: noch mehr solche Eltern wie in dieser SPIEGEL-Geschichte, mit ihrem altbackenen Blick.

7 Gedanken zu „Eine warmherzige Person

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