Wer genau braucht einen Schnuller?

Kind mit Schnullersäckchen, von Wilhelm Busch

Kind mit Schnullersäckchen, von Wilhelm Busch

Schon lange klebt da die Notiz »Schnuller!« auf meinem Schreibtisch, mit dem Kürzel KV/8 drauf (das heisst »Kinder verstehen, 8. Auflage« – ich nehme mir bei jeder neuen Auflage ein Kapitel vor, das ich dann hier und da aktualisiere und ergänze).

Diesmal also der Schnuller. Aus evolutionsbiologischer Sicht.

Eigentlich gut verständlich, was wir den Babys da anbieten – eine nachgeformte Brustwarze. Und natürlich fahren sie darauf ab, und das schon eine ganze Weile: im Mittelalter waren zu Beuteln zusammengeschnürte Leinentücher in Mode (gerne auch mit etwas Mohn drin oder auch mal mit Hochprozentigem getränkt). Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es die ersten Versionen in Gummi.

Der Drang zum Schnuller ist verständlich – schließlich aktiviert das Nuckeln die »Beruhigungsschleifen« des kindlichen Gehirns. Das Saugen vermittelt dadurch Nähe, Geborgenheit und Entspannung (kein Wunder, dass findige Babys da auch Finger, Daumen oder auch mal den großen Zehen zu Hilfe nehmen). Als »non-nutritives Saugbedürfnis« ist dieses Verhalten auch der Fachwelt bekannt: Babys nutzen die Brust nicht nur  als Quelle von Kalorien und Wasser, sondern auch um Beruhigung und Entspannung zu tanken. Mein Baby will jetzt einfach nuckeln, sagt dann die eine Mutter. Mein Baby nimmt meine Brust als Schnullerersatz, sagt die andere – aus evolutionärer Sicht eine recht putzige Erklärung: als sei der Schnuller eigentlich das Original, und die Brust nur der Ersatz… Dabei wurde die Brust vor vielen Millionen Jahren erfunden, schon vor 165 Millionen Jahren hat ja der gemeinsame Vorfahr von Beuteltieren und höheren Säugetieren spezielle Drüsen entwickelt, von denen der Nachwuchs ein konzentriertes Sekret auflecken- oder aufsaugen konnte (Mama musste damit nicht mehr ganz so häufig Nahrung in die kleinen Münder stopfen).

Aber zurück zum Schnuller. Die wie auch immer konstruierte Attrappe bietet ja nicht nur den Kleinen eine Gelegenheit zur Beruhigung. Sie hilft auch den Eltern – ruhige Babys sind nun einmal kein Luxus. Und waren es bestimmt noch nie. Warum sollten die Eltern für solche »Abkürzungen« also nicht dankbar sein? Tatsächlich ist die Geschichte der Säuglingspflege ja auch eine Geschichte der Suche nach Methoden, Tricks und Produkten, die uns Großen das Leben leichter machen, ob das nun Tragegestelle sind, oder Hängematten, Windeln, Wiegen, Babyphones oder Apps fürs Smartphone. Oder eben brustwarzenähnliche Stöpsel für den Babymund. Diese Suche nach Abkürzungen ist bestimmt nicht »unevolutionär« – dass sich Homo sapiens mit allen möglichen kulturellen Errungenschaften rüstet, um sich das Leben leichter zu machen, liegt nun einmal in seiner Natur, warum sollte ausgerechnet das Großziehen des Nachwuchses davon ausgenommen sein? Eltern sind schließlich – auch das übrigens ein Grundaxiom der Evolutionsbiologie – keine unerschöpflich sprudelnden Quellen, aus denen Liebe, Zuwendung und Muttermilch im Übermaß quillt. Sie sind vielmehr auch darauf angelegt, mit ihrem Nachwuchs immer wieder Kompromisse auszuhandeln, wenn es um den sinnvollen Einsatz begrenzter Ressourcen geht.

Der Schnuller passt also nicht nur prima in den Mund, sondern auch in unser kulturelles Konzept. Und dazu noch dieses wunderbare Win-Win: Schnuller in den Mund – zufriedenes Baby, zufriedene Eltern!

… Wäre da nicht der zweite Teil der Geschichte, und auch dieser Teil ergibt sich aus der evolutionären Konflikttheorie. Jede kulturelle Lösung ist mit Vorteilen – aber auch mit möglichen Nachteilen verbunden.

Die sind zum Teil banal und leicht eingängig, im wahrsten Sinn des Wortes: der Whisky in den Schnullersäckchen des Mittelalters war für das wachsende Gehirn des Babys sicher kein Schmiermittel. Und aus den Plastikschnullern der Moderne haben kleine Kinder bestimmt schon Tonnen von Bisphenolen und anderen Weichmachern rausgenuckelt – auch nicht gerade das, was ein wachsender Organismus so braucht. Und auch die Bakterien- und Pilzrasen, die sich am Schnuller gerne bilden, müssen zu den Nachteilen zählen. Staunen wir also ruhig einmal über die Selbstreinigungskraft der mütterlichen Brust! (Das ästhetische Dilemma des Schnullers will ich in dieser Schweigeminute nur kurz anblinzeln, denn wir scheinen das kulturell ganz gut gelöst zu haben: eigentlich gehört so ein Plastikproppen mitten im Gesicht ja nicht unbedingt zum Kindchenschema – da war eigentlich einmal der Babymund vorgesehen. Aber weil für uns normal ist, was wir normalerweise so sehen, tun und lassen, fällt uns das nicht mehr auf – ein Schnullermund gehört heute im Grunde zum angesagten Look des »richtigen« Babys. Unser Hang zur beständigen Neudefinition von Normalität (genannt Kultur) macht uns also auch ästhetisch ziemlich flexibel – an Zahnspangen, taucherbrillenähnliche Hipster-Brillen und alle möglichen Zeichnungen, Verzierungen, Implantate und Metallwaren am menschlichen Körper haben wir uns ja auch irgendwie gewöhnt. Outen sich irgendwo in der westlichen Hemisphäre Menschen als werdende Eltern, bekommen sie deshalb fast schon reflexhaft von Freunden, Verwandten und Co. die ganze Produktpalette von NUK, Goldi und MAM geliefert.)

Ein echter Nachteil ergibt sich ausgerechnet aus dem eigentlichen Geschäftszweck der Attrappe. Denn der ist eindeutig auf die Aktivierung der kindlichen Beruhigungsreflexe gerichtet. Und die taugen – jawohl: zur Beruhigung. Zur Entspannung also, zur Angstlösung, vielleicht auch noch zur rascheren Heilung eines »Auas«. Aber für die Erforschung der Welt sind die Beruhigungsreflexe eher Klebstoff – da sollte ein Kind doch eher wach sein als sediert. Auch kann so ein kleinen Entdecker bei seinem Vorstoß in die Welt seinen (funktionsbereiten) Mund ganz gut gebrauchen, er dient ja im wahrsten Sinne der Aneignung ihrer Einzelteile. Aber nicht nur das – diese Expeditionen sind meist soziale Prozesse:  man unternimmt sie mit anderen zusammen, mit Mama, Papa, anderen Kindern, einem Teddybär. Da werden also Beziehungen gestaltet, und da wird kommuniziert – gut, wenn man dabei seine Mimik und sein Sprechwerkzeig benutzen und seinen Gefühlen Ausdruck verleihen kann. Ein Stöpsel im Mund bremst den Dialog mit den Mit-Entdeckern ja dann doch auf die eine oder andere Art aus. (Manche Forscher vermuten sogar, dass das langfristige Folgen haben könnte. Zumindest lässt sich in einer größeren Studie ein – leider negativer – Zusammenhang zwischen häufiger Schnullernutzung und späterer Intelligenz erkennen. Dauerhaft »abgestöpselte« Kinder sehen also möglicherweise nicht nur tranig aus, sondern werden es auch.)

Vielleicht spielt dabei ja noch etwas anderes eine Rolle: ein funktionsfähiger Mund hilft dem Säugling sogar bei der Selbstentdeckung. Denn wenn man Säuglinge beobachtet, so zeigen sie ein seltsames Verhalten: sie benutzen immer wieder spontan – und deshalb trotzdem vielleicht nicht grundlos – ihr Sprechwerkzeug! Fast schon mutwillig, oft aus dem Nichts heraus, beginnen sie zu gurgeln. Zu quiecken. Zu grunzen. Ziehen hohe Schreie durch die Luft. Immer wieder, und mit welcher Lust! Flattern mit den Lippen. Lassen Grunzer aus dem Mund purzeln. Spitzen angestrengt den Mund.  Und so weiter. Mal produzieren sie die Laute mit dem Gaumensegel, mal mit der Zunge. Manchmal sogar mit der Nase. Das dürfte dem Aufbau und Training ihres Sprech- und Musikapparates dienen.

Interessant erscheint mir aber noch ein weiterer Zusammenhang. Säuglinge gehen mit dem allmählichen Sitzenlernen durch eine Phase, in der sie mit unstillbarem Eifer und größter Beharrlichkeit alles in den Mund stecken, was sich ihnen irgendwie bietet, von Stuhlkanten bis zu ihren Spielsachen. Dieses »Mündeln« wird, wie bereits gesagt, als Teil ihres Explorationsverhaltens gewertet:  die Kinder lernen die Welt auch über den Mund kennen. Das könnte aber auch in immunologischer Hinsicht gelten. Denn tatsächlich ist die Mündel-Phase ja auch ein Vorstoß in die belebte Welt vor Ort und eine intensive Auseinandersetzung mit der für den eigenen Lebensraum typischen Keimausstattung der Umwelt. Durchaus vorstellbar also, dass die Erforschung mit dem Mund auch dem Aufbau eines an die Umwelt angepassten Immunsystems dient. Jedenfalls fällt auf, dass sich gerade in dieser Phase die Zusammensetzung der Muttermilch ändert – sie enthält jetzt deutlich mehr antibiotische Wirkstoffe und liefert dem Kind damit ein regelrechtes Schutzschild für seinen Mündel-Trieb.

Während die immunologische Bedeutung des unbeschnullerten Mundes erst wenig erforscht ist, lassen sich aus HNO- und zahnärztlicher Sicht klarere Schlüsse ziehen. Demnach treten beim übertriebenen Schnullergebrauch Mittelohrentzündungen häufiger auf, beim Gebrauch des Schnullers über drei Jahre hinaus können zudem Zahnfehlstellungen entstehen. Ob gleichzeitig die Sprachentwicklung leidet, ist weniger gut erforscht.

Kommen wir also zurück zum Thema: der Schnuller aus evolutionsbiologischer Sicht… Es scheint, wie wenn wir auch beim Schnuller eine »Lösung« für unsere elterliche Notlage gefunden hätten, die wir nicht überstrapazieren sollten. Wir kommen einfach nicht um die Tatsache herum: der Babymund dient vor allem der Begegnung mit der Welt, und nur zweitrangig der Aufnahme einer Beruhigungsattrappe.

Wenn die zum Einsatz gebracht werden soll, dann am besten so, wie das Objekt das sie ersetzt – also zur Tröstung, bei emotionalem Stress oder zum Einschlafen – und nicht viel länger als die »angestammte« Stillzeit von ungefähr 3 Jahren. Dauernuckeln dagegen oder auch Nuckeln bei der spielerischen Erforschung der Welt ist aus evolutionsbiologischer Sicht nicht vorgesehen – das »brauchen« womöglich eher die Betreuenden als die Kinder.

31 Gedanken zu “Wer genau braucht einen Schnuller?

  1. Aber was macht man, wenn das Baby häufig geschlagene 3h am Stück an der Brust nuckeln will und das Blut, das es aus den wundgenuckelten Brustwarzen schluckt dann ständig wieder erbricht? Sie schreiben ja, dass Dauernuckeln von der Natur nicht vorgesehen sei, aber das oben beschriebene Szenario ist gar nicht so selten und der Schnuller ist dann weniger Bequemlichkeit… Welchen Ausweg gibt es denn aus diesem Szenario außer Schnuller?

    • Auch bei drei Stunden nuckeln, sollte kein Blut aus der Brust kommen, ich denke sie sollten sich Hilfe bei geschultem Personal suchen. Entweder hat Ihr Kind andere Probleme beim saugen, die schon von Geburt an bestanden oder sie ergaben sich durch den Gebrauch künstlicher Sauger.
      Alles Gute!

      • Also blutige Brustwarzen sind NICHT normal und entstehen auch nicht durch dauernuckeln. Ich rede aus Erfahrung und habe eine durchnuckelte Nacht hinter mir.
        Meine Stillzeit startete aber auch schmerzhaft. Dank meiner wunderbaren Hebamme lief aber nach 8 Wochen alles wunderbar und ich unterstreiche: Stillen darf nicht weh tun oder schlimmeres.
        Ja, zu Beginn ist alles empfindlich, aber bluten sollte nichts!
        Hilfe holen!

      • Bin auch der Meinung, dass kein Blut rauskommen sollte, vielen Dank für den Hinweis… Es kommt aber leider trotzdem. Stillberaterin war da, meinte, manchmal hat man halt Pech. Ist aber inzwischen fast verheilt.
        Mein Kleiner nimmt keinen Schnuller, nur Original-Nippel. Ich finde Schnuller auch nicht super, aber der Artikel ist so geschrieben, dass man sich ganz schlimm vorkommt, wenn man mal einen geben muss. Und wenn er nicht als Dauerstöpsel gebraucht wird, finde ich einen Schnuller schon sinnvoll.
        Dieser „Vorwurfston“ des Artikels hatte mich nur gestört. Mag daran liegen, dass ich gerade völlig übermüdet und voller Schmerzen bin, aber angesichts der Zielgruppe des Artikels bin ich da bestimmt nicht die einzige Mama, der es so geht 🙂

    • Danke für den Tip. Wir gehen täglich mind. 30 min raus. Im Tragetuch ist er nur still, wenn ich in Bewegung bin. Ich kann leider nicht 6h am Tag durch die Gegend laufen. Und Spülmaschine ausräumen mit Tragetuch finde ich fahrlässig, besonders so übermüdet wie ich gerade bin. Da bin ich ruckzuck mit Baby auf eine Ecke oder in ein Messer gekippt.
      Möchte nur dafür plädieren, dass es sinnvolle Nutzung eines Schnullers gibt. Danke für Ihr Verständnis *ironie aus, ich glaube nämlich ich bekomme hier keins*

  2. Was bedeutet denn „angestammte Stillzeit von ca.3 Jahren“? Ich diskutiere das gerade mit unserem Kinderarzt.
    Laut Antropologin Dettwyler, Kathrin ist das natürliche Abstillalter doch irgendwo zwischen 3 u 7 Jahren anzusiedeln. Für uns hier nicht??? So argumentiert nämlich auch mein KiA. Warum?

    • Warum sollte das für uns nicht gelten? Meine Tochter hat nie eine Flasche oder einen Schnuller bekommen und hat sich kurz nach Ihrem 3. geburtstag selbst abgestillt, nachdem die Stillmahlzeiten langsam immer seltener geworden sind.
      Nur wenige hierzulande stillen so lange, aber eine Nuckelflasche oder -becher am Abend oder am Morgen, ein Schnuffeltuch oder eben der Schnuller sind doch auch hierzulande im zweiten, dritten und auch im vierten Lebensjahr noch verbreitet. Solange die Kleinen eben noch ein Nuckelbedürfnis haben. Stillt man nn so lange, gibt man das Original anstatt eines Ersatzproduktes. Solange Mama und Kind das wollen, ist dies vollommen in Ordnung, egeal was der Kinderarzt dazu sagt. 😉

  3. Hallo,

    inhaltlich mag ich den Artikel. Danke dafür. Kurz zusammengefasst kommt bei mir an: Ein Schnuller nur wohldosiert eingesetzt, nicht zum verstummen, sondern zum beruhigen, nicht als „wie praktisch, so isst sie keinen Sand“, sondern als „so schreit er nicht 30 min im Tragetuch, sondern schläft in 2 min ein, und dann kommt der Schnuller wieder raus“ ist das also vertretbar. Hab ich das richtig verstanden?

    Vom Stil her gefällt mir der Artikel leider nicht, obwohl ich den Schreibstil dieses Blogs normalerweise sehr mag. Das kann an der persönlichen Betroffenheit liegen (mein 2. Kind HAT einen Schnuller), aber selbst wenn ich diese Betroffenheit abziehe, bleibt eine Flapsigkeit, die an Respektlosigkeit grenzt. Sorry. „Stöpsel im Mund“. Ach mensch. Das muss doch nicht sein. Für mich war der Schnuller nie ein Stöpsel. Ein Stöpsel verschließt etwas. Mein Kind hatte ebenfalls ALLES im Mund – und wenn es tatsächlich vorher den Schnuller im Mund hatte, dann nahm es den vorher raus. Dann landete der Schnuller im Dreck. Der Schnuller, der nach maximal 24 h das nächste Mal in den Topf zum Auskochen kam. Da gibts anderswo noch ganz andere Pilz- und Bakterienrasen.

    Mein erstes Kind hatte übrigens keinen Schnuller, obwohl er von der Sorte Schreikind war (als Steigerung des Sears’schen 24h-Baby). Mein Zweiter hatte das non-nutritive Nuckeln schon am 2. Lebenstag raus, und tat nichts mehr anderes (bissel doof zum zunehmen). Manchmal gibt es Gründe für einen Brustersatz, die gehen über die eigenen Erfahrungen raus. Das sollte man akzeptieren und nicht halb flapsig, aber natürlich gar nicht böse gemeint 😉 verurteilen.

  4. Der Artikel gefällt mir so ganz gut, ob das jetzt daran liegt das ich zwei unbeschnullerte Kinder habe, wage ich allerdings zu bezweifeln… Was mir persönlich übrigens fehlt, ist die Wichtigkeit des Nuckelns für die Bereitstellung der Milch (Clusterfeeding). Vielleicht kann man das noch ergänzen? Liebe Grüße Jette

    • … mir fehlt auch etwas. Und zwar bei den „Gefahren“ des Schnullers. Nämlich die Saugverwirrung.

      Ich habe 5,5 Monate gebraucht, mein saugverwirrtes Baby zu relaktieren.

      LG
      Sarah

  5. Dann hoffe ich jetzt einfach mal, dass mein Nuckelholiker keine Schäden davon getragen hat. Er hat den Nuckel erst mit fünfeinhalb gegen ein Lego eingetausch – da dafür von sich aus, mit nur kurzer Trauer und danach ohne Bedauern.

  6. Guter Artikel ABER ich vermisse das Daumenlutschen!
    Dieses „Argument“ begegnet mir persönlich nämlich am häufigsten „Ich geb meinem Kind lieber prophylaktisch von Anfang an einen Schnuller damit es bloß nicht zum Daumennuckler wird! Den Schnuller kann man wegnehmen- den Daumen nicht. Und die Großcousine der Nachbarin meines Hundetrainers kennt jemanden der hat am Daumen gelutscht bis er zehn war und der musste danach eine Zahnspange Tragen!!!“

  7. Danke, für die Infos,
    Auch wenn ich als Schnullerbaby-Mama und Hipsterbrillenträgerin etwas auf den Schlips getreten fühle.
    Leider war meine Tochter auch eine Kandidatin, die 4 Monate lang etwa 20Stunden am Tag an der Brust war und 12 Wochen davon hatte ich Höllenschmerzen. Es gab auch Blut aber zum Glück nicht so viel. Weil die wenigen Autofahrten, die wir unternehmen und sogar in der Trage echt viel gebrüllt wurde, war der Tag an dem sie den Schnuller akzeptierte ( ich hab nicht im Mund festgehalten, bis sie nachgegeben hat!! ) echt wie eine Erlösung.
    Wenn sie jetzt ihren Schnuller nicht hat, nimmt sie irgendwas anderes in den Mund, zB Spielzeug das sie dann findet und dann wird das benuckelt.
    Würde ihr den Schnuller innerhalb des nächsten Jahres aber auch gerne „entwöhnen“. :/

  8. Puh na zum Glück hat es bei meinem beiden Kindern ohne Schnuller geklappt. Aber zum ästhetischen Dilemma: meine Großmutter hat bei jedem Treffen bemängelt, dass das Kind keinen Schnuller hat. Das wäre doch so „gemütlich“, das schmatzende Geräusch. Mir persönlich kam ein Schnuller immer wie „cheaten“ vor. 🙂 Und als ich nach zahlreichen durchgenuckelten Nächten doch mal zum Schnuller griff, wollte meine Tochter das nicht. Ab und zu hätte ich es schon hilfreich gefunden, etwa im Auto wenn Stillen (eigentlich) keine Option ist… aber so musste/durfte ich eben viele Abende schon um 19.00 mit der dauernuckelnden Maus im Bett liegen. Beim zweiten Kind wollte ich dann auf jeden Fall einen Schnuller für eben spezielle Situationen haben; aber auch das zweite Kind nimmt keinen Schnuller. Dafür ist er aber so ein problemloser (Ein-)Schläfer, dass ich bei ihm noch kein Mal einen Schnuller gebraucht hätte…

  9. Als Mama zweier ( früherer) Dauernuckler, die bis heute einen 5- Jährigen und eine 2 1/2 jährige stillt, die beide noch nie einen Schnuller hatten und brauchten: Applaus zum Artikel! Meine Beobachtung im Umfeld ist genau die des Stöpsels, der Schnuller wird benutzt, wenn der Erwachsene keine Lust auf Stillen, Tragen, Kümmern hat. Meine Kinder konnte ich bis 9 Monate nicht im Wagen ablegen sondern habe getragen, jede Autofahrt war ein Drama-längere Strecken bin ich darum Zug gefahren und ggf. der Partner mit Auto hinterher/parallel. Seltsamerweise hat keins der Kinder am Daumen genuckelt ( der ist btw zwar angewachsen, wird aber schnell zum spielen gebraucht in der Regel), keines hat bisher ( dank AP?!) ein „Übergangsobjekt“ wie Teddy oder Tuch gebraucht… Den Müttern mit Stillproblemen sei dringend eine Beratung ( die es häufig kostenlos gibt!) ans Herz gelegt, ich stille nun sogar schon die zweite Schwangerschaft durch und Tandem. Wenn das alles ohne Nuckel, Fläschchen, Wagen, Kunstmilch usw. Nicht funktionieren würde, wäre die Menschheit ausgestorben! Jahrtausende ging das mit Bauchgefühl, Menschenverstand und ganz ohne schlaue Bücher und Technik…

  10. Als Mutter zweier Schnullerverweigerer muss ich sagen, dass mich der Artikel trotzdem etwas geärgert hat. Die Botschaft „wenn Schnuller, dann wohldosiert“ hätte man auch weniger polemisch an Mann und Frau bringen können. Ich finde grade bei kleineren Babys mit großem Saugbedürfnis den Schnuller eine große Erleichterung und hätte mich gefreut wenn meine Kinder ihn genommen hätten. Statt dessen musste ich z.T. im 15-Minuten-Takt stillen, war gestresst, weil ich nicht mal zum duschen kam und mein Kind spuckte viel, weil es garnicht soviel Milch trinken, sondern eben eigentlich nur nuckeln wollte.
    Klar, bei größeren Kindern den Schnuller als Dauerstöpsel zu benutzen ist sicher nicht ideal, aber als Einschlaf- und Beruhigungshilfe bei kleineren Babys ist er ein Segen für Eltern und Kinder.

  11. Mir gefällt der Artikel sehr gut – ich komme aus einer Gegend, in der der „Mohn-Zuz“ noch nicht allzu lange aus der Mode ist 😉 Bei mir kommt die Botschaft so an, dass der Schnuller nicht per se böse, aber es eine gute Idee ist, ihn eher gezielt statt dauerhaft einzusetzen.
    In letzter Instanz entscheidet aber dann ohnehin das Kind, ob es den Schnuller mag oder nicht!

  12. Also am zu wenig Tragen und Stillen liegt es nicht, dass mein Sohn AUCH einen Nuckel nutzt. Meine Tochter habe ich 3 1/2 Jahre gestillt, meinen Sohn jetzt auch nach Bedarf und eine Kinderwagen haben wir seit Wochen nicht benutzt. Um Autofahren zu vermeiden, fahre ich zur Zeit Bahn. Aber z. B. zum Einschlafen im Tuch ist d er Schnuller mir lieber als meine Brust oder langes Weinen ohne irgendetwas.
    Ich versuche ihn nicht einstöpseln, ihn auch mal meckern zu lassen, schätze den Nuckel aber für seine beruhigende Eigenschaft.

  13. Das Find ich auch etwas doof, zu behaupten, dass man sich nicht kümmern will. Ich fahre kaum Auto.
    Aber wenn ich bei meinen Eltern auf dem Land bin, MUSS ich manchmal. Da gibt es keine Öffis. Mittlerweile kann ich ihr Essen in die Hand geben, die hat ab 4 Monate den Schnuller genommen.
    In diesen 5 Monaten in der Zwischenzeit konnte ich mich viel besser auf den Verkehr konzentrieren, weil niemand auf dem Rücksitz gebrüllt hat.
    Außerdem hat sie auch in der Trage gebrüllt und sich gewindet, eine Zeit lang, stillen in der Trage hab ich absolut nicht hingelriegt.

    Nicht jedes Kind ist so entspannt, dass es nach 5 Minuten in der Trage einpennt.
    Und ich begleite sie gerne beim weinen. Aber manchmal muss man auch rausgehen, sonst fällt einem die Decke auf den Kopf. Mir hat es davor gegraut rauszugehen, weil es immer dieses Theater im Tuch gab. Und bevor man jetzt damit kommt, dass ich falsch gebunden hab: ich habe eine Trageberaterin im Freundeskreis. Manche Kinder sind eben nicht so entspannt.

  14. Pingback: Lesenswert #6 | Gemüsebaby

  15. Also ich finde den Artikel klasse. Und ich sehe auch nichts schnippisches daran. Es ist nunmal wie es ist, das Kunstding wird in unserer Gesellschaft als Dauer nuckel Objekt eingesezt. Und es hat ja keiner was dagegen wenn man den mal nimmt weil man ( KIND) ihn braucht.
    Nur die Tatsache ist das ich selbst schon sehr oft gesehen habe das ein Kind bäh oder ah sagst und zack wird ihm das Ding in den Mund geschoben. Ja Mensch darf das kleine Wesen denn nicht auch mal einen laut von sich geben?
    Alles in allem mein kind hat auch keinen nuckel und ich muss her halten aber das ist auch ok so. Kinder haben ist halt kein zuckerschlecken.

  16. Hauptsache alles ausdiskutieren!
    Einfach nur überflüssig der Artikel…

    Herrgott, man hatte sein Baby 10 Monate im Bauch –
    Wo ist denn das Bauchgefühl bei all den Übermüttern geblieben, dass man immer Erziehungslektüre lesen muss?

  17. Pingback: Warum ich mich gegen den Schnuller entschieden habe | SINN.IM.PULS

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  19. Man kann im übrigen ganz klasse den kleinen Finger zum nuckeln geben, statt der Brust, wenn das Kind nur nuckeln möchte.
    Wir haben es so (mit 4 kleinen Fingern) super ohne Nukki hinbekommen. Klar gibt es Momente wo man schwach werden kann, aber das provisorische zustöpseln direkt nach der Geburt ist doch grausam.
    Und dann soll das Kind auch noch alleine im „eigenen Bett“ im „eigenen Zimmer“ schlafen.
    Hat ja den Nukki da!
    Die Kinder werden abgeschoben und ruhig gestellt was nachweislich krank macht, ob physisch oder psychisch.
    Mit dem Finger gibt man emotionale Nähe ohne Milch. Einfach mal weglegen geht so auch nicht denn das weinen hat IMMER einen Grund.
    Es sind kleine Personen die da weinen und keine nervigen Gegenstände die aus boshaftigkeit Lärm machen.

    Lg

  20. Der Artikel ist super und öffnet einem mal wieder die Augen. Ich denke jeder der sich durch den Artikel persönlich angegriffen fühlt, ignoriert einfach unsere , wie Herr Renz-Polster immer so treffend sagt, ‚ Menschheitsgeschichte‘, in der war ein Schnuller nun einmal niemals vorgesehen. Eine Brust aber schon. Wer sie hat sollte sie nutzen. Dass es das für uns Eltern nicht leichter macht ist unstrittig.
    Ich wollte meiner Tochter auch den Schnuller andrehen um die vielen Schimpfstunden im Auto zu überstehen. Gott sei Dank hat sie ihn immer abgelehnt. Selbst den aus Kautschuk ,der mit seiner Kirschform am ehesten einer mütterlichen Brustwarze gleicht als jeder andere aus Silikon oder Latex ,wollte sie lieber nur kurz in der Mund stopfen um seine Form und Material zu ertasten. Und sie nuckelt bis heute nicht am Daumen.
    Wenn Stillen schmerzt oder Blut fließt liegt das Baby nicht richtig an der Brust an.
    Wir sollten dankbar sein dass es in unserer blinden Gesellschaft Menschen wie Herrn Renz-Polster gibt die uns blinden, aber keineswegs schlechten Eltern, die Augen öffnen und uns erinnern dass auch wir Teil der Natur sind und unsere Kinder zu ihr zurück führen sollten. Besonders wertvoll ist Herr Renz-Polster da er uns in Zeiten, wo es in Fragen um den Umgang und Erziehung unserer Kinder nur A ODER B gibt, eine kindgerechte Orientierung vorgibt. ALLES was unsere Eltern mit uns gemacht haben wird heute völlig hinterfragt. Ich kenne keinen Bereich im Leben der für mich so herausfordernd und gegensätzlich war wie das erste Lebensjahr meines Kindes wo man seinen Weg des Umganges mit Baby herausfinden muss. Denn leider kann es noch nicht sprechen und mir sagen ob ich das Richtige oder Falsche mache.

  21. Ich habe mich, wie sicher viele Eltern hier , viel mit Autoren rund um die Themen Baby; Schlaf; Beikost; und die sonstigen typischen ‚Probleme‘ beschäftigt. Dr. William Sears war für mich bisher derjenige Ratgeber der neben Wissen auch die Liebe zu den Kindern hat. Leider bin ich erst spät auf Herrn Renz-Polster gestoßen aber wenn ich seine Artikel lese habe ich durchgehend den ‚ Ja, stimmt , da hätte ich selbst drauf kommen können‘ Effekt. Danke für ihre unersetzliche, augenöffnende Arbeit!

  22. Irgendwie ist der Text halt so wie viele andere: Schnuller sind schlecht (ja das kommt so rüber), Gläschen auch, Flaschenkinder bekommen ein Defizit an Nähe usw.
    Man bekommt halt doch den Eindruck, dass es „richtig und falsch“ gibt. In diesem Artikel spätestens, als auf die Studie verwiesen wird: Schnuller machen dumm! Da fühlt sich jede Mutter ein bisschen schlecht, wenn sie dem Kind den Schnulli gibt. Aber mehr wird auch nicht darauf eingegangen z.B. dass die Probanden zw. 1920 und 1930 geboren wurde… Da wird jeder, der sich mit Studien beschäftigt hat hellhörig.
    Ein paar versöhnliche Worte am Schluss täuschen nicht darüber hinweg, dass Schnuller als schädliche Erfindung unserer Zeit dargestellt werden.
    Ich bin jedenfalls froh, wenn mein Kind einen Schnuller nimmt und nicht das Auto zusammen brüllt.
    Außerdem speist nicht jede Mutter ihr Kind mit Schnuller ab, ja es gibt Mütter, die kuscheln dann sogar mit Ihren Kind während es schnullert.

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