Zoff ums Beifüttern

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Der Klassiker. Baby wächst und gedeiht an der Brust. Aber irgendwann braucht es mehr als Muttermilch. Aber wann? Und was? Und wie?

Da kommt Hilfe gelegen. Und sie kommt in Form schöner Grafiken. Die hier fand ich beim Aufräumen diverser Stapel in einem Elternmagazin:

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Schön, bunt und übersichtlich, ein echter „Ernährungsfahrplan für das 1. Jahr“. Er findet sich in ähnlicher Form auf vielen Webseiten, von baby-und-familie.de bis babyclub.de. Über den Tag verteilt gibt es 5 mal Fläschchen oder die Brust, ab dem 5. Monat (in manchen Plänen auch ab dem 7. Monat) wird einfach jeden Monat eine Brustmahlzeit durch einen Babybrei ersetzt. Nach fünf Monaten ist das Baby mit den Stufen durch, die Brust kann außer Dienst gestellt werden.

Wie praktisch! Aber der Leser ahnt schon… Ja genau. Selbst wenn wir einmal die komplett sinnfreie erste Zeile weglassen (5 Stillmahlzeiten? In 24 Stunden? Für ein BABY? Wie bitte?) – da bleiben dann doch Fragen…

Ganze Brustmahlzeiten ersetzen?

Eltern, die das bei ihrem Baby einmal versucht haben, wissen: das endet mit Schweiß und Tränen. Heute verstehen wir auch, warum das so ist: Babys brauchen Zeit, um sich an die neuen Geschmackstoffe, die neue Textur und die neue Art des Schluckens zu gewöhnen. Sie probieren zunächst mal, bevor sie überhaupt nennenswerte Mengen zu sich nehmen.  Und sie brauchen für den Angriff auf die neue Nahrungswelt den richtigen Erforschungsmut. Den haben Babys aber nicht, wenn sie einen Bärenhunger haben – der treibt sie zuerst einmal an die Brust. Zurecht, denn da bekommen sie in kurzer Zeit viel mehr Kalorien als jeder Brei ihnen liefern würde. Erst wenn sie entspannt sind, wenden sie sich dem Neuen zu. Kein Wunder nehmen sie Beikost lieber, wenn sie schon an der Brust waren. Und kein Wunder gehen sie oft eher spielerisch zwischen den Mahlzeiten auf neue Nahrungsquellen zu, einen Brotkanten zum Beispiel.

Die Schälchen in der Grafik…

Beikost, so suggeriert die bunte Tabelle, ist Breikost. Aber stimmt das denn? Aus evolutionärer Sicht sind gewiss Zweifel angebracht, der Pürierstab wurde ja erst in jüngster Zeit erfunden. 99% der Babys, die jemals auf dieser Erde gelebt haben, mussten sich mit anderweitig mundfertig gemachter Nahrung zufrieden geben. Und dass das auch problemlos geht, zeigen die Erfahrungen der Eltern, die ihre Kleinen mit am Essen fingern, lutschen und spielen lassen. Diese vom Baby selbst gesteuerte Beifütterung  kommt dem Wirksamkeitsdrang der Babys entgegen. Und der trägt nun einmal ihre Entwicklung – auch die Entwicklung hin zu neuen Nahrungsquellen. Beikost = Breikost, wer hat das denn erfunden?

Beifüttern – und dann abstillen?

Betrachtet man die Tabelle, so ist das Beifüttern eigentlich das Präludium zum Abstillen: das Brustsymbol wird jeden Monat seltener, und nach  9 Monaten ist dann Ende Gelände. Tatsächlich ist dieser Fahrplan eher ein Abstillfahrplan als ein „Ernährungsfahrplan“. Und das allein schon deshalb, weil die Milchbildung durch die immer länger werdenden Stillpausen zwischen den Milchmahlzeiten ziemlich effektiv unterdrückt wird.

Dieser „Ernährungsfahrplan für das erste Jahr“, der da bis heute in vielen bunten Farben durch Elternmagazine, Webseiten und Info-Broschüren geistert, mag unseren Hang zur Systematik befriedigen – für das Leben mit echten Babys taugt er nicht. Bei näherem Hinsehen entpuppt er sich als eine Ansammlung von fragwürdigen Annahmen.

Woher kommen die Ansagen?

Damit stünde eine interessante Frage im Raum: wo kommen diese Annahmen eigentlich her?

Was läge da näher als beim Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) nachzuschauen, was dort an Ernährungsempfehlungen ausgegeben wird. Schließlich handelt es sich beim FKE um eine bekannte, wissenschaftlich arbeitende Einrichtung, die seit Jahrzehnten Broschüren und Flyer zu Ernährungsthemen verbreitet, die etwa bei Kinderärzten ausliegen.

Liest man die vom FKE herausgegebenen „Empfehlungen für die Ernährung von Säuglingen“, so sind viele Informationen tatsächlich up to date. Zur Dauer des Stillens heisst es etwa: „solange Mutter und Kind es wünschen“. Und auch der Beginn des Beifütterns wird als ein flexibles, am Entwicklungsstand des Babys auszurichtendes „Fenster“ beschrieben  (Beikosteinführung zwischen dem 5.  bis 7. Monat).

Und da ist er wieder: der bekannte Fahrplan

Aber wo es dann um die konkrete Praxis geht – begegnet uns auf einmal wieder dieser alte Fahrplan. Stufenweise solle eine Milchmahlzeit nach der anderen durch einen Brei ersetzt werden. Und zwar „in etwa Monat für Monat“. Weg mit der Brust, her mit dem Breischüsselchen (oder -gläschen). Tatsächlich wird am FKE die Beikost konsequent als „Brei-Ernährung“ bezeichnet.

Wie seltsam. Da scheint es drei in Stein gemeißelte Annahmen zu geben, wie das mit der Beikost zu laufen hat. Erstens habe man da in Stufen mit definierten Zeitabständen vorzugehen. Zweitens gehe es da um den Ersatz ganzer Milchmahlzeiten. Und drittens bestünde die richtige Beikost aus Brei. Dieser Dreisatz scheint gesichertes Wissen zu sein – schließlich unterstützt auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin diesen Plan. Und sogar die Nationale Stillkommision.

Woher kommt dieses Wissen?

Das Forschungsinstitut für Kinderernährung selbst gibt in seiner Broschüre zur Säuglingsernährung diese Auskunft: „Der Plan hat sich seit vielen Jahren in der Ernährungsberatung bewährt.“

Nun hätte sich ja vielleicht auch ein anderer Plan bewährt, wer weiss das schon. Aber genau da liegt das Problem: hierzu gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen. Wie sollten die denn auch gemacht werden? Die eine – natürlich per Los ausgewählte – Gruppe von Babys wird nach Plan A beigefüttert,  eine zweite Gruppe nach Plan B und eine dritte nach Plan C? Und dann schauen wir nach 20 Jahren, welche Kinder besser dran sind? Das ist in der Tat nicht möglich. Und so ziehen Ernährungswissenschaftler selbst das Fazit: „Über die Wirkungen, das günstigste Fenster und die Langzeitauswirkungen der einzelnen Modalitäten des Beifütterns ist nicht Genaueres bekannt.“ (Nicklaus 2011)

Alles nur copy und paste?

Aber wenn unser Wissen zum Beifüttern nicht aus wissenschaftlichen Untersuchungen stammt, woher kommt es dann?

Blättern wir einmal durch eines der im deutschen Sprachraum wirkmächtigsten Bücher zur Säuglingspflege. Es wurde nicht nur millionenfach gedruckt, sondern stand auch fast 50 Jahre lang in den Regalen der deutschen Buchhandlungen. Ich rede von dem Erziehungsratgeber „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ von Johanna Haarer. Er sollte zunächst die Mütter im Nationalsozialismus zur richtigen – also richtig harten – Erziehung ihrer Kinder animieren und war bis 1986 unter etwas entschärftem Titel im deutschen Buchhandel. Da stoßen wir auf folgende Tabelle (die hier stammt aus der Ausgabe von 1941):

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(Quelle:  Johanna Haarer: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind, Lehmanns Verlag, 1941, Seite 140, BM steht für Brustmahlzeit, ZK für „Zukost“)

Da ist er also wieder, der Fahrplan, mit seinen Stufen. In Frakturschrift und fürs heutige Auge etwas nüchtern, aber trotzdem mit der klaren Botschaft: liebe Mutter, so geht das mit der Beikost: du ersetzt Stillmahlzeit um Stillmahlzeit mit „Zukost“. In 5 „Stufen“ (Johanna Haarer definierte sie übrigens in der hier verwendeten Ausgabe von 1941  noch flexibel, sie wurden erst später zu „Monaten“).

Und die heutigen Ratgeber? Die haben diesen Plan einfach abgeschrieben. Und die „Forschungsinstitute“? Die haben ihm die wissenschaftlichen Weihen gegeben, weil sich der Plan „bewährt“ habe.

Was ich mich da frage

So manches von dem, was Eltern heute als gut, richtig und wichtig empfohlen wird, scheint uralte Wurzeln zu haben. Auch wenn die Informationen oft aus Zeiten stammen, in denen der Umgang mit Babys unter einem glücklicherweise verblichenen Stern stand, wurden sie nie im Licht der Wissenschaft überprüft. Die Vorgaben wurden einfach weitergereicht. Ob diese Ansagen überhaupt zu Menschenbabys passen, wie sie eben sind – diese Frage wurde nicht gestellt.

In dieser Hinsicht enttäuscht mich das FKE gewaltig. Wer sonst sollte kritische Fragen stellen, wenn nicht ein Forschungsinstitut, das sich dezidiert mit Fragen der Kleinkinderernährung befasst? Zumal wenn dort Empfehlungen ausgegeben werden, die ja dann doch so etwas wie allgemeine Gültigkeit beanspruchen?

Welche Rolle spielt das FKE?

Vor allem sehe ich inzwischen weitere Widersprüche. Das FKE hat in letzter Zeit das „Baby Led Weaning“ (BLW), also das selbstgesteuerte Zu- bzw. Selbstfüttern des Babys mit Fingerfood oder mundgerecht portionierter Nahrung, in deutlichen Stellungnahmen kritisch bewertet. Und zwar mit zwei für Eltern zu 100% wirksamen Argumenten: durch BLW bestehe „möglicherweise“ die Gefahr von Fehlernährung, und die Gefahr des Erstickens. Hier ein Auszug aus der Stellungnahme (die übrigens auch auf diesem Blog  ausführlich und fundiert kommentiert wird):

Der Ernährungsplan (…) des FKE mit seinen aufeinander abgestimmten Breimahlzeiten ist hinsichtlich der Zufuhr von Energie und Nährstoffen evaluiert sowie in der Praxis bewährt. Für das BLW als allgemeine Empfehlung fehlen bisher ein durchkalkuliertes Konzept und  der Nachweis der Sicherheit.  Der postulierte Vorteil eines langfristig gesünderen Ernährungsverhaltens bei Kindern, die die Beikost „nach Bedarf“ selbst steuern (bessere Selbstregulation, höhere Lebensmittelvariabilität), wurde noch nicht nachgewiesen.

Das ist für mich jetzt ein echter Witz: Ein Institut, das einen guten Teil seiner Empfehlungen zur Beikosteinführung auf nie kritisch hinterfragte Vorgaben aus grauer Vorzeit stützt, fordert nun von denen, die eben dieses Schema hinterfragen genau das, was man selbst nie geleistet hat: eine wissenschaftliche Beweisführung.

Wie wissenschaftlich ist die Kritik am BLW?

Das erscheint mir seltsam. Seltsam auch deshalb, weil gleichzeitig in einem vom FKE publizierten Fachaufsatz beschrieben wird, dass es für die angeblichen „Gefahren“ des baby led weaning eigentlich gar keine verlässlichen wissenschaftlichen Studien gäbe.  Seltsam auch deshalb, weil das FKE in dem besagten Artikel selbst einräumt, dass das mit der Breikost wohl doch nicht so gut aufgeht:

„… die Variabilität der Zutaten ist bisher gering: In 60% der kommerziellen Menüs sind als Gemüse Karotten enthalten, gefolgt von Tomate, Pastinaken und Kürbis (jeweils etwa 10%). Auch in selbst gekochten Breien ist die Variabilität der Gemüsesorten nicht höher.“

Moment einmal – hiess es nicht beim FKE, man  sei deshalb für die traditionelle Breiernährung, weil sie sich „bewährt“ habe? Noch seltsamer erscheint mir deshalb, warum nun so krampfhaft versucht wird, die anerkannten Vorteile des BLW (die Autoren selbst nennen die „frühzeitige Gewöhnung an sensorisch vielfältige Nahrungsmittel“) zu relativieren: dieser Vorteil lasse sich doch auch durch „entsprechende Aufklärung von Eltern und Multiplikatoren sowie die Weiterentwicklung der Rezepturen in der kommerziellen Beikost“ erreichen.

Die kommerzielle B(r)eikost …

Ein Schelm, der nun nicht  einen Blick auf die Herkunft der Forschungsgelder des FKE werfen wollte. Und da findet sich dann zum Beispiel eine „Baby Gourmet Studie“. Ziel dieser Studie ist es, so schreibt das FKE auf seiner Webseite, „in Zusammenarbeit mit Unternehmen der Tiefkühl-Branche (…) ernährungsphysiologisch und sensorisch optimierte Tiefkühl-Breie in verschiedenen Varianten zu entwickeln (…) Als Richtschnur gelten die Beikostmahlzeiten in dem vom FKE entwickelten und evaluierten Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr.“ Also Tiefkühl-Breie statt BLW, wie schön!

Wie aus Behauptungen „Empfehlungen“ werden

Wie bloße Behauptungen dann ihre Flügel bekommen, zeigt die weitere Geschichte. Mitte 2016 erscheint im Deutschen Ärzteblatt ein Artikel Stillen und Beikost – Empfehlungen für die Säuglingsernährung. Darin, natürlich, die  von den Zeitläufen zur Wahrheit geadelte Botschaft:  „In etwa monatlichen Abständen wird jeweils eine weitere Milchmahlzeit durch einen Milch-Getreide-Brei und durch einen Obst-Getreide-Brei ersetzt“.

Wenn es nun aber um das Thema BLW geht, kommt prompt der ernste Hinweis: Eine Übersichtsarbeit (verwiesen wird auf den oben zitierten Fachaufsatz des FKE) „zeige jedoch hierdurch eine verzögerte Beikosteinführung mit möglichen Nachteilen für Nährstoffversorgung und Allergieprävention.“ Was so gelesen werden dürfte: Vorsicht, mit BLW bekommt dein Baby zu wenig Nährstoffe und vielleicht auch noch juckende Haut (wenn es nicht schon gleich erstickt ist). Und wenn dann im Folgenden „weiterhin die Beikosteinführung mit Breien empfohlen“ wird, so wird als Referenz eine Veröffentlichung der „Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin“ angeführt. Und die wiederum stützt sich – jawohl: auf die besagte Arbeit des FKE…

Die in der systematischen Übersichtsarbeit des FKE angeführte, aber eben NICHT  durch wissenschaftliche Evidenz abgesicherte Vermutung wird also durch die Hintertür zur Quelle „wissenschaftlicher“ Empfehlungen. Aber auch wenn de facto die wissenschaftliche Beweisführung fehlt, so fehlt auch bei dieser Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt unter den Autorenangaben eines nicht: die lange Liste der Forschungssponsoren aus der Babynahrungsmittelindustrie.

Wie um das alles noch mit einem Schuss Ironie zu garnieren erschien nun vor wenigen Tagen eine erste belastbare wissenschaftliche Studie zur Frage, ob vom BLW tatsächlich eine Erstickungsgefahr für das Baby ausgehe. Dazu wurden 206 Babys per Los auf BLW bzw. traditionelle Beikost zugeteilt. Und siehe da: die beiden Gruppen unterschieden sich in Bezug auf die Häufigkeit des „Verschluckens“ nicht.

Ist es wirklich so kompliziert?

So viel zu diesem endlosen, uralten Hin und Her. Viel zu viel eigentlich, denn ist das mit der Beikost denn wirklich so kompliziert, dass wir dafür Fahrpläne, Schemata und einen Zeitplan brauchen? Oder die Warnung, BLW sei deshalb nicht zu empfehlen, weil Babys an Nüssen ersticken könnten (so  in dem oben beschriebenen Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt). Wer gibt seinem Baby denn Nüsse als Beikost?

Nein, wirklich, vielleicht ist das mit der Beikost ja erst durch die Ängste so kompliziert geworden, die genau durch diese Fahrpläne und Regeln und Warnungen geschürt werden? Aus evolutionärer Sicht haben wir es – glücklicherweise – mit kompetenten Menschenkindern zu tun, die ihren Eltern schon zeigen, wenn sie „futterbereit“ sind. Und dieses Menschenkind ist gewiss kein Normkind, das man mit Tabellen behandeln kann, die für alle Babys und alle Familien gelten. Dieses Kind pocht auch gewiss nicht auf komplizierte Regeln, für die man ein Studium der Ernährungswissenschaften braucht. Und auch nicht auf diese 12-seitigen Prospekte der Babynahrungsindustrie, die mit einem Farbleitsystem suggerieren, für jeden Monat gäbe es eine andere (dann natürlich bessere und für jedes Baby richtige) Nahrung. Zu 99 Prozent der Menschheitsgeschichte gab es weder Spezialnahrung fürs Baby, noch gab es ein für alle Babys gültiges Farbleitsystem. Und die Beikost hat für ein Frühlingskind gewiss anders ausgesehen als für ein Herbstkind.

Das evolutionäre Programm

Gleich war dabei immer nur das: das, was ein Baby bekam, war Teil seines gewohnten Nahrungsumfeldes, das ihm geschmacklich und immunologisch schon vom Fruchtwasser und der Muttermlich bekannt war. Das waren sicher keine Gläschen mit Lychies aus Indonesien – und das war auch nicht ein ratzeputz entweder morgens, mittags oder abends zu verzehrender Brei.  Die Beikost war vielmehr so variabel wie die tägliche Kost der Großen. Ja, gewiss, sie wurde babymund-gerecht dargeboten, aber sicher bestand sie nicht immer aus Brei. Und das Stillen – das ging weiter (unter anderem auch deshalb, weil die Mütter eben NICHT auf den Rat irgendwelcher Fahrpläne geachtet haben, nach denen sie angeblich ganze Stillmahlzeiten durch Löffelkost ersetzen sollen und dann bald schon ganze halbe Tage lang Löffelchen statt die Brust geben…).

Ja, ich denke, der Blick auf die Babys und ihre evolutionäre Vorbereitung kann Eltern Mut machen. Ich kann ihnen nur wünschen, dass sie an den vielen Geistern aus der Vergangeheit nicht verzweifeln.

 

Ich habe zu den Ängsten und Mythen, die den Umgang mit unseren Kindern oft genug bestimmen, mein Buch „Menschenkinder“ geschrieben. Wer sich dafür interessiert, kann sich hier informieren: http://kinder-verstehen.de/neuvorstellung_mk.php

37 Gedanken zu „Zoff ums Beifüttern

  1. Danke für die Aufklärung. Manchmal reicht es auch schon, wenn die Eltern mehr auf ihre Kinder schauen würden. So manches Kind mag eben nicht Brei, sondern daß, was die Großen essen. Essen hat auch viel mit Gemeinschaft zu tun. Also wenn das Baby mit am Tisch ist, dann ißt es gerne auch wie die anderen am Tisch. Und dann lutscht es am Anfang an der Kartoffel oder am Brokkoli, 6-8 Wochen später ißt es eine volle Portion. Und hat das Gefühl der Gemeinschaft.

    • Kann ich bestätigen. Mein Großer hat mit 5 Monaten ganze Gläschen verschlungen und mein Kleiner (derzeit 8 1/2 Monate) mag die überhaupt nicht, trinkt am Liebsten von seiner „Milchbar“ 😀

      • Susanne, womöglich mag er zwar die Bestandteile im Glas, nicht aber die Konsistenz! Mein Sohn aß nur freinpürierte Breie und verschluckte sich an jedem Bröckchen, also gab ich die meiner Tochter anfangs auch..Fehlanzeige! Bis sie 9 Monate war, spuckte sie mir alles entgegen, nur Muttermilch war gut! Und dann klaute sie Essen vom Teller und mampfte es ohne Zähne rein…das Kind wollte sehr wohl Beikost, hasste aber Brei! Da muss man erstmal draufkommen! Innerhalb 1 Monat aß sie quasi alles, incl. ganze Brötchen, noch immer ohne Zähne. Versuchs mal mit Fingerfood oder zerdrücktem Essen von euch, wirkt manchmal Wunder.

        • Er klaut schon fleißig von unseren Tellern bzw. lässt sich mit kleinen Stücken füttern, aber so richtig geheuer ist ihm das noch nicht. Er verzieht dabei wirklich immer dermaßen das Gesicht, dass ich denke ich hätte ihm was Saures gegeben 🙂

  2. Lieber Herr Renz-Polster.
    Danke für diesen informativen und so toll geschriebenen Artikel!
    Wir praktizieren BLW, ohne Regeln und Fahrpläne und sind glücklich damit. Ich finde es entspannt und unkompliziert und meine Tochter liebt es, neue Sachen auszuprobieren. Auch unsere Familien akzeptieren es, und füttern sie nicht. Die Omas probieren sogar auch ganz begeistert neue breifreigeeignete Rezepte aus…
    Herzliche Grüße
    annina

  3. N bissl sehr einseitig, dieser Artikel… Da wird nur gewettert… Lasst doch die Tabellen stehen, wie sie sind! Es gibt durchaus junge Mütter, die ohne eine solche Stütze komplett aufgeschmissen wären. Und ich habe nirgendwo (extra nochmal alles durchgeblättert…) nur die Tabelle gefunden…. Überall gab es die Hinweise zur Beikostreife und dass dieser Fahrplan nur eine grobe Richtung ist, dass die Beikost keineswegs zum Abstillen gedacht ist usw… Und selbst wenn man es genau nach Plan macht… Lasst doch jede Mutter es so handhaben, wie sie es handhaben möchte. Denn auch das heißt Kompetenz: zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen in der persönlichen Situation zu treffen…

    • „Gewettert“… oder berechtige Kritik? Hier würde ich unterscheiden wollen 😉 Die denke, die o.g. Kritik muss sich das FKE gefallen lassen. Wie sagt man, „with great power comes great responsibilty“ – wir haben vor 2 Jahren auch von unserem ersten Kinderarzt dringend (!!) empfohlen bekommen, unserem Sohn ab dem 4 (!!) Monat Fleisch (!)-Gläschen zu füttern, sonst drohe schwerer Eisenmangel. Das würde aktuell das FKE empfehlen. Eine Broschüre gabs dazu…

      Wenn man schon informiert und sich anmaßt, allgemeingültige Empfehlungen herauszugeben – dann bitte auch korrekte. Und der „Breikostfahrplan“ verwirrt eher, als dass er hilft. Wozu eine Leitlinie, wenn „dass dieser Fahrplan nur eine grobe Richtung ist, dass die Beikost keineswegs zum Abstillen gedacht“?

      Es fehlt auch überall der Zusatz: Stillkinder essen ggf. anders als Flaschenkinder und „es ist normal, wenn das Baby im 1. LJ fast nur Muttermilch trinkt, machen sie sich keine Sorgen“. Oder: Was mache ich, wenn mein Baby keinen Brei mag/isst/nur ausspuckt?

      Warum in dem Fall nicht BLW empfehlen oder als Alternative aufzeigen (… ohne Nüsse… ;-).

      „Lasst doch jede Mutter es so handhaben, wie sie es handhaben möchte.“ Das wird doch gerade von dem „Beikostfahrplan“ unterbunden!

      Der Artikel ist gut recherchiert und die Kritik berechtigt!

      • Hab ja gesagt, dass es nicht einfach starr angenommen werden muss oder soll… Sicher muss man auch ein wenig auf seine Intuition setzen… Trotzdem muss man diesen Plan nicht gleich so militant ablehnen. Es mag ja Eltern-Kind-Paarungen geben, bei denen es gut klappt mit BLW und Stillzeiten von einem Jahr und (viel) länger, so gibt es das aber auch in anderer Konstellation, und das sollte okay sein.

        • Ich finde die Kritik an dem Plan noch untertrieben. Er gibt ein völlig falsches Bild ab. Die jungen Mütter haben einfach keine Ahnung wie es anders ablaufen soll, überall wird dieser Plan abgedruckt. Das stillen insbesondere das langzeitstillen ist noch nicht mal in der Gesellschaft „angekommen “ da jeder diesen Plan kennt. Die Milch reicht nicht, sei nicht nahrhaft genug, das Kind wird nicht satt. Mutter Natur ist dümmer als Hipp? Mich stört es auch dass auf Gläschen & Co. ab 4. Monat draufsteht !! Und nochmal : der Plan hilft null – er verwirrt und irritiert

          • Ganz wichtig finde ich den Hinweis für Mütter, dass BEIkost darum so heißt, weil sie keine ANSTATTkost ist. Das Kind soll kennenlernen, welche Geschmäcker und Konsistenzen es gibt. Es gibt sogar Mütter die abstillen um anschließend pre oder gar folgemilch zu geben – warum ? Nun ja der tolle Plan führt zum abstillen und den Rest erledigt das Marketing der jeweiligen Firmen ….

          • Das gibt es durchaus, dass die Milch nicht nahrhaft genug ist oder dass nicht genug Milch da ist oder dass das Kind nicht genug an der Brust trinkt. Ich habe es selbst erlebt… Mein Sohn hat trotz sämtlicher Maßnahmen mit Hilfe einer Stillberaterin nicht genug zugenommen. Zur Geburt eher ein Schwergewicht, war er mit dreieinhalb Monaten an der Grenze zum Untergewicht, obwohl nach Bedarf voll gestillt… Wochenlang haben wir mit Beratung herumprobiert, aber der Erfolg hielt sich in Grenzen. Unsere Rettung war dann die Beikost, an die er sich langsam gewöhnt hat, die Mengen waren nicht der Knaller (Muss ja auch nicht, das weiß ich selbst…), aber seine Gewichtsentwicklung wurde trotzdem deutlich besser. Nicht immer gleich alles verteufeln, nur weil bei euch alles klappt oder geklappt hat!

  4. Spannender Artikel. Vielen Dank dafür. Sicherlich sehr richtig. Doch mit dem Pürrierstab ist das so eine Sache. Ich persönlich weiß nicht, ob die Menschen gaaaanz früher die Nahrung vielleicht etwas vorgekaut hat, wie das andere Tiere für ihre Babys/Welpen/Kinder tun oder ob sie später die Nahrung so weich gekocht haben, dass es fast wie Brei ist. Man braucht keinen Stab, um Nahrungsmittel weich und breiig zu bekommen. 🙂 Dennoch finde ich Beikost sinniger als Breikost. Allerdings denke ich auch, muss jede Familie schauen, was zu ihr am Besten passt, was am Besten funktioniert und womit alle zufrieden und entspannt sind. Finde es immer schwierig zu sagen, was nun perfekt ist. Genauso beim Familienbett usw. Ich hab eine Freundin, die wollte das unbedingt machen und dann stellte sich heraus, dass es nicht funktionierte. Sie war dann total verunsichert und machte sich Vorwürfe usw. Das kann ja auch nicht Sinn der Sache sein. Der Gemeinschaftsgedanke, den finde ich gut!!! Das findet ja leider auch immer seltener statt in unserer Gesellschaft.

  5. Lieber Herr Renz-Polster, danke für diesen informativen Artikel,
    Wir hatten ein Kind mit schwerem GOR und da wir sein Essen andicken mussten, damit es nicht gleich wieder oben raus kam, war die frühe Einführung von Beikost in seinem Fall sinnvoll. ABER die einzige Empfehlung, an die wir uns dabei gehalten haben, war immer nur ein neues Nahrungsmittel aufs Mal einzuführen. Ansonsten haben wir „Freestyle“ gefüttert (und übrigens alles mit Muttermilch statt Wasser angerührt).

    Ich möchte Eltern ermutigen, ihren eigenen Weg mit ihrem Kind zu suchen und zu finden, aufs Baby zu achten und den gesunden Menschenverstand angeschaltet zu lassen. Unsere Kinder sind ziemlich solide, da geht nichts daran kaputt, wenn man sich nicht an die Gebrauchsanleitung hält.

  6. Hm, dann mach es halt so, wie du es für richtig hältst. Das Baby zeigt doch, ob es zum stillen, Brei oder blw bereit ist. So eine Tabelle ist doch nur eine Orientierungshilfe. Ich hab einmal reingeschaut und sie maximal im Hinterkopf gehabt.

  7. Pingback: Linktipps - Beikost

  8. Genau, hatte auch schon vor, mich an das Gesundheitsamt hier in der Schweiz (da ist es nämlich kein bisschen anders mit den Empfehlungen) zu wenden. Es regt mich wirklich auf. Diese Empfehlungen sind wirklich ein Abstillplan, dafür gedacht, Schoppennahrung möglichst schnell mit Breinahrung zu ersetzen.. Kenne mehrere Freundinnen, die eigentlich länger hätten stillen wollen. Hatten sich brav an diesen Plan gehalten, die Babys assen brav den Brei, und die Mütter waren dann traurig / erstaunt, dass sie nach 1-2 Monaten fast keine Milch mehr produzierten (durch die langen Stillpausen) und die Babies schon bald dann nicht mehr an die Brust wollten.
    Mein erstes Kind hingegen wollte immer nur paar Löffelchen vom Brei und dann an die Brust, ich machte mir dann Sorgen dass da was nicht stimmt. Da sich das Kind nicht planmässig verhielt. Im Nachhinein bin ich froh, so konnte ich lange stillen, bin überzeugt das war positiv für mich und mein kind. Die meisten Mütter sind nicht so aufgeklärt und „alternativ“ wie die Leser hier, die halten sich an die offiziellen Empfehlungen was automatisch zu einem frühen Abstillen führt. Und wer hat was davon? Die Lebensmittelindustrie mit ihrem ungesunden, verarbeiteten Fertigessen (ach nein sorry ist ja alles bio und extra auf schadstoffe geprüft und das beste was man für sein baby tun kann blablaaa).. Echt traurig!!

  9. Ich habe mich nie an irgendwelche Beikosttabellen gehalten. Meine Kinder waren auch absolute Stillens und erst ab ca. einem Jahr begannen sie viel mehr Interesse an unserem Familienessen zu entwickeln. Vorher aßen die mal hier ein paar Löffel und da mal einen Happen und das wars. Beim großen habe ich mich echt noch verrückt machen lassen, aber Bein kleinen ließ ich mich Nichterfüllung von außen beeinflussen

  10. Hallo, toller Artikel! Einen Punkt möchte ich ergänzen zum Thema..muss es Brei sein?! Beobachtet man Naturvölker, so kann man sehen, dass die Mütter durchaus die Nahrung für ihr Kinder vorkauen ;-). Dafür gibt es ebend jetzt vielleicht einen Pürierstab?
    Liebe Grüße!

  11. So ganz kann ich die Kritik am FKE nicht nachvollziehen und habe das Gefühl, dass eine vorher klar definierte Meinung am FKE „abgearbeitet“ wurde und da diese Meinung in der Broschüre nicht komplett bestätigt wird, ist alles daran schlecht. Ich habe die besagte Broschüre gerade hier liegen und finde sie (auch beim zweiten Kind) sehr hilfreich. Und für mich war beim ersten Kind besonders hilfreich, dass dort eben NICHT gesagt wird, dass man ganze Milch-Mahlzeiten ersetzen soll (wie unsere damalige Kinderärztin empfahl und was riesigen Stress verursachte), sondern dass man ganz langsam mit der neuen Nahrung beginnen soll und immer nur ein einigermaßen milch-sattes Baby mit neuem füttern sollte. Genau so steht es dort….
    Die Idee vom BLW ist gut, alle die es so machen wollen: bitte! Und alle, die sich an die althergebrachte Breikost halten wollen: auch gut!! Die ist ja nicht schädlich für Babys! Kritik daran: bitte, fundierte Kritik noch lieber, gar kein Problem.
    Aber das rundweg und absolute schlechtmachen von einem bestimmtem Umgang mit seinem Kind: ich bin es so leid. Leider scheint das aktuell aber die Regel zu sein, ich erlebe gerade bei den Themen BLW, Familienbett, windelfrei, tragen, un-erzogen…. die Tendenz, sehr von oben herab und bewertend zu agieren.
    Jeder wie er mag und kann, das sollte doch die Devise sein, aber das erlebe ich leider sehr selten. Schade, sonst könnte man diese „neuen“ Konzepte vielleicht viel eher als Anregung verstehen, daß davon heraus greifen was zur Familie passt, Dinge miteinander kombinieren… aber wenn sofort bewertet und oft abgewertet wird ist es schwierig, es als andere, genauso gute und interessante Alternative zu sehen….

        • Ganz genau… 😉

          Schlau wäre es, diese Vorgaben einfach zu tolerieren und den Müttern die Kompetenz zuzubilligen, selbst entscheiden zu können, welchen Weg sie gehen wollen… Leben und leben lassen.

          • Ich denke anschließend kann man sagen dass jede Mutter nur das allerbeste für ihr Kind will – sei es im Familienbett – sei es im eigenen Kinder Zimmer – geimpft oder Impffrei, Kinder sind verschieden, entwickeln sich unterschiedlich. Ganz klar: leben und leben lassen! Und nicht von Tabellen von Hipp beirren lassen – das beste und was am besten zu einem Past heraussuchen 🙂

            Finde es persönlich schade, habe zwei Mütter kennengelernt (stillberaterin) die mich zufällig aber leider zu spät getroffen haben. Sie dachten man müsse ab Monat 4 abstillen und mit Brei anfangen (sie hätten so gern weiter gestlllt) das darf nicht sein
            Wer abstillen möchte – sehr gerne kein Problem aber in dem Fall war es Unwissenheit in Kombination mit Marketing der Industrie.

          • Genau, liebe Juliana… Jeder hat seine eigene Vorgeschichte und seine eigenen Motive, nun die Beikost einzuführen. Gäbe es grundsätzlich mehr Stilleraterinnen bzw die Zusatzqualifikation (z.B. bei den Schwestern in den Krankenhäusern, bei Hebammen etc), dann würde es weniger oft zu Unsicherheiten bei den jungen Eltern kommen, die dazu führen, dass sie sich teils verzweifelt an das einzige klammern, das ihnen Sicherheit gibt, nämlich eine solche Tabelle. Das ist ein Fehler im System…

  12. Sehr geehrter Herr Reinz-Polster,

    Kritik ist immer gut. Ich finde es auch gut, dass sie versucht haben gute Nachweisquellen zu finden. Das ist Ihnen aber aus ernährungswissenschaftlicher Sicht nicht gelungen. Aber, sie haben sich sehr viel Mühe gegeben und Ihre Meinung interessiert mich. BLW ist EINE Art, wenn nicht sogar eine Zwischenart in die Familienkost einzuführen. In die Famlienkost einzuführen ist sinnig, weil jeder Mensch lernen muss. Wie iss ich? Was esse ich? Warum esse ich? BLW gab es schon immer. Meiner Meinung nach ist es alter Wein in neuen Schläuchen. BLW und die Breikost passen wunderbar zusammen, weil es auch Sinn macht das eine püriert und das andere als „Fingerfood“ zu geben (siehe ihre Quelle Nicklaus 2016). Pläne sind zur Orientierung immer gut. Ich finde es sehr befremdlich die Pläne aus der Nazi-Zeit als DIE Urquelle aller Beikostpläne zu sehen. Das ist faktisch falsch. Das FKE hat in den letzten 10 Jahren sehr viel wissenschaftliche Arbeit gesteckt, die Pläne mit wissenschaftlichen Mitteln (was deren Aufgabe ist) zu hinterfragen und zu variieren. Es hat sich von der Nazi-Zeit bis jetzt SEHR viel geändert. Nicht vergessen: in den Siebziger Jahren hat man allen Müttern geraten Flaschenmilch zu geben und nicht zu stillen! Das haben wir bis heute zu „verdauen“, weil es sich nämlich um die Generation unserer Mütter handelt. Sicherlich kann man über den Einfluss der Industrie streiten und hier sehe ich auch Optimierungspotenzial bezüglich Anti-Lobbyismus. Aber soll ich Ihnen was sagen: der Mensch passt sein genetisches Material seiner aktuellen Umwelt an und Aussagen über „warum soll das von früher schlecht sein“ sind oft Totschlagargumente. Wir entwickeln uns! Und das Industrie-Bashing ringt uns keine Spur weiter. BLW und Breikost bilden Synergienund Kritik an einer neuen Entwicklung, egal welcher Natur, hat uns nicht geschadet. Schon gar nicht den Kindern! Und es bringt auch niemanden durcheinander. Durcheinander kommt man nur, weil wir im Internet tausend ungefilterte Informationen finden und jeder meint, Recht zu haben. Auch ich habe nicht recht, sondern ich fuße meine Meinung auf eine selbstkritische Beleuchtung zum Thema Ernährung – meinem Fachgebiet. Ernährung und deren Entwicklung ist mannigfaltig. Man kann doch manchmal froh sein, dass es dann „Bilder“ und „Pläne“ gibt, die das ganze als „Angebot“ gut kommunizieren. Es ist ein „Angebot“, kein Gesetz. Wir sind frei in unserer Entscheidung! Ich habe mit dem ersten Sohn sowohl BLW als auch Breikost gemacht. Karottenbrei fand er super. Brotkruste und n Stück Käse zum Abendbrot auch. Mein zweiter Sohn hat ewig Brei gegessen, weil er diesen geliebt hat. Er wollte partout keine festen Sachen. Und meine Frau hat lange gestillt. Wir werden uns immer als Eltern immer viel anhören müssen…daran muss man sich gewöhnen. Wichtig ist, dass wir die Kinder zu selbstständigen und robusten Menschen erziehen, die optimalerweise gelernt haben, sich gesund und nachhaltig zu ernähren, damit ihre Lebensqualität und die Lebensqualität ihrer Mitmenschen steigt. Das geht auf viele verschiedene Weisen! Wie gesagt: nicht so heiß kochen, das ganze Thema.

  13. Als Hebamme kenne ich das Dilemma der Eltern mit Beikost gleich Breikost, Angst ,beim WLD starkes Verschlucken zu erleben, die Frage,was,wann,wieviel,genug,…..
    Ich kann nur empfehlen: Habt Spass am Essen mit Eurem Baby,lasst die Kleinen nur machen-solange Euer Angebot gesund ist- lasst sie einfach dabei sein und miterleben.So werden die Kinder INteresse am Essen entwickeln und auch gute Esser werden. Holt Euch,wann immer nötig, Beratung bei Eurer Hebamme,Stillberaterin,Stillgruppe,Elterncafes – wo auch immer.Ich erlebe bei diesen Beratungen oft Eltern,die total gestresst sind,weil die Kinder nicht das tun,was sie sollen. Wenn ich mal alle fünfe gerade sein lasse und mit wachem Verstand locker weiter agiere,gelingt es mir als Mutter viel besser,die Mahlzeiten nicht überzubewerten und dem Kind sein Tempo zu lassen.

    • Dem kann ich nur zustimmen! Bin auch Hebamme und erlebe oft, wie verzweifelt junge Eltern sind, die sich durch die Beratung beim Kinderarzt verunsichert fühlen, wenn ihr Baby sich eben NICHT an die Vorgabe der Tabelle halten und lieber wenig oder kein Brei, dafür IMMERNOCH Muttermilch möchte…
      Viel leichter kann es doch sein, derartige Tabellen als eine Idee unter vielen zu sehen.

  14. Vielen Dank Ihnen lieber Herr Renz-Polster,
    wir sind mittlerweile beim dritten Kind und komplett ohne Brei ausgekommen. Es braucht aus meiner Sicht eine Mutter, die Zutrauen in ihre Intuition und die natürliche Entwicklung ihrer Kinder hat.
    Herzliche Grüße
    V. Wellmer

  15. Ich war immer begeistert von BLW u habe es auch praktiziert. Allerdings hatten 2 von 3 Kindern mit 12 Monaten eine Gedeihstörung… Also ganz unberechtigt wird die Kritik der FKE an BLW auch nicht sein! Ich glaube wenn ich es „Klassisch“ gemacht hätte, hätten wir diese Probleme nicht gehabt.

  16. Vielen Dank für diesen Artikel!
    So wie alle Ihre Publikationen haben Sie mich darin bestärkt, einfach mal zu probieren, und mich nicht durch irgendwelche Pläne, und sonstigen Weisheiten der Krankenkasse oder sonstigen „Expertisen“ verunsichern zu lassen.
    Mein erstes Kind ist 6 Monate und wir sind gerade so mittendrin im Anfangen mit der Beikost. Ich pobiere alles aus, und mal isst die Kleine mehr, und mal weniger. Es gibt püriertes, grob zerkleinertes, und Fingerfood. Wenn sie sich verschluckt, dann war es wohl noch zu früh.
    Ich wurde auf diesen abstrusen Plan aufmerksam, da ihn auch die Krankenkasse in Österreich propagiert, und hab mich von Anfang an gefragt, wie ich das denn machen soll. Ganz davon abgesehen, dass ich weder beim Stillen auf die Uhr schaue, noch mitzähle wie oft am Tag ich eigentlich Stille.
    Das ganze verbreitet nur Angst und Stress. Anstatt Eltern einfach zu ermutigen, auf ihr Kind einzugehen. Das klappt am allerbesten, und ich bin recht froh, dass ich rechtzeitig zu Ihren Büchern gefunden habe, Herr Renz!

  17. Pingback: Wie oft an die Brust? | Blog "Kinder verstehen" von Herbert Renz-Polster

  18. Pingback: Was Beikost nicht kann | Von guten Eltern

  19. Danke für den Artikel. Spricht mir aus dem Herzen. {und einem Ernährungsinstitut, dass sich Studien von Alete bezahlen lässt, trau ich nicht einen mm.}

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