Im Zelt vor dem Kreißsaal?

Osterwochenende 2017. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über den neuen Trend zum Alleingebären  – also ohne Ärzte und ohne Hebammen. Ich will hier nicht das Für und Wider von Alleingeburten diskutieren, ich persönlich wäre eher nicht der Fan davon, aber das ist hier nicht der Punkt (ich stehe derzeit auch nicht vor der Entscheidung 😉

Mich hat der Artikel aus einem anderen Grund berührt. Da berichtet eine Mutter, warum sie diesmal „alleine“ geboren hat (eine Freundin war schon dabei, aber eben kein Fachpersonal). Sie erzählt von ihren vorherigen Geburten  in der Klinik. Jedes Mal hatte sie dabei das Gefühl, dass es nicht „ihre“ Geburt war. Ärzte oder Hebammen hatten das Sagen, waren die Belehrenden, die Macher und Macherinnnen eben. Sie trafen die Entscheidungen, die Mutter trug die Konsequenzen. Die Frau hat sich als schwach erlebt, als  abhängig und auch als verletzt, zumal viele der medizinischen Interventionen für sie nicht nachvollziehbar waren.

Machtlos und preisgegeben

Wenn ich die Diskussionen und Berichte rund um die Geburtshilfe sehe, so ist das ein immer wiederkehrendes Motiv:  Die Mütter fühlen sich machtlos und preisgegeben. Einem System ausgeliefert, in dem sie ihre Selbstbestimmung verlieren. Sie sehen sich als Objekte in einer Mühle, in der viel von Normen die Rede ist, von errechneten „Terminen“, von Zentimetern, nach denen sich der Muttermund bitteschön zu öffnen hat – und wenn er das nicht tut, ist es aus mit der Geburt aus eigener Kraft. Am Ende sind es immer die anderen, denen die junge Familie ihr Kind verdankt: dem Krankenhaus, den Ärzten, der Medizin, den Hebammen. Man hat Glück gehabt, dass man noch so gut davongekommen ist. Das ist kein Vorwurf an einzelne Fachkräfte, es ist eine Feststellung (die sich gewiss nicht zum Pauschalurteil eignet, denn es gibt auch in der Klinik wunderbare, selbstbestimmte Geburten, so wie es entmutigende, fremdbestimmte Geburten auch  zuhause gibt. Wir selbst – also natürlich mehr meine Frau als ich – haben beides erlebt).

Aber das ist nicht, warum mich der Artikel so angerempelt hat. Vielmehr sind es die aus meiner Sicht doch sehr pauschalen und ausgrenzenden Reaktionen, die in dem Artikel den meisten Raum einnehmen. Nach dem Muster: Alleingeburt – gehts noch?

Gefahr im Verzug?

Die einen bringen die mit der menschlichen Geburt verbundenen Gefahren ins Spiel – und beziehen ihre Kritik dann auch gleich auf die gesamte ausserklinische Geburtshilfe. Schliesslich könne bei einer Geburt immer etwas schief laufen. Nun ist das natürlich ein korrektes Argument (es trifft allerdings auch auf den Kreißsaal zu – den kann eine Mutter ja bekanntermaßen durchaus mit einem Kaiserschnitt verlassen, den sie in einem anderen Krankenhaus nicht bekommen hätte). Aber damit ist doch die Frage nicht beantwortet, welcher Ort einer Familie als der insgesamt richtige Ort erscheint, um ein Kind zu gebären! Da geht es zunächst doch einmal um die Entscheidung für eine bestimmte Art sein Kind auf die Welt zu bringen: so will ich gebären, so will ich leben. Niemand wird dabei die Sicherheit des Kindes oder die eigene Gesundheit beiseite wischen (das nehme ich zumindest an). Aber primär und führend ist dabei die Frage: was erscheint uns angehenden Eltern als stimmig, gut und richtig, was passt in unser Leben? Das ist für mich eine absolut berechtigte, menschliche Frage, wir sollten sie zulassen. Wer würde sonst mit seinen Kindern Fahrradtouren machen oder sie mit auf Kanutouren nehmen, wenn es im Leben nur um die möglichen Gefahren ginge? Wer würde aufbrechen und Dinge unternehmen, die uns vielleicht „das Leben“ bedeuten – aber vielleicht eben auch ein Risiko beinhalten?

Insbesondere das in dem Artikel angeführte Argument „Jede vierte Hausgeburt endet im Krankenhaus, weil sie nicht vorangeht“ überzeugt mich nicht. Das spricht doch eher dafür, wie gut das Hausgeburtssystem und das klinische geburtshilfliche System zusammenspielen: Mütter können die Vorteile der häuslichen Geburt nutzen, aber sie müssen dabei nicht auf die Absicherung durch das klinische System verzichten. Genau das wäre doch die Art von Geburtshilfe, die sich die Eltern wünschen: möglichst viel Selbstbestimmung bei möglichst hoher Sicherheit. Jedenfalls zeigt die Statistik seit Jahren dasselbe: außerklinische Geburten, so wie sie in Deutschland praktiziert werden, sind aus medizinischer Sicht sicher,  mit hoher Zufriedenheit bei den Müttern verbunden, sie haben sich bewährt. Wozu künstlich Feindschaften pflegen? Niemand spricht der klinischen Geburtshilfe ab, dass sie ein Segen ist, wenn Not an der Frau oder dem Kind ist. Warum sollen wir nicht die Freiheit feiern, die wir durch unser über Jahrzehnte bewährtes „duales“ System haben? (Wir sollten nur rasch feiern, denn es wird ja genug dafür getan, Geburten außerhalb des Kreißsaals vollends abzuschaffen.)

Gegen die „Interessen des Kindes“?

Andere weisen darauf hin, dass eine Alleingeburt nicht „im Interesse“ des Kindes sein kann, und das nehme ich schon ernster. Nicht als Argument, sondern als Drohung. Denn ich sehe schon die Tendenz, dass da immer öfter irgendwelche selbst ernannten „Interessensvertreter“ der Kinder auf die Bühne treten, und dann verkündigen, es könne ja nicht im Interesse der Kinder sein, außerhalb des Medizinsystems geboren zu werden. Oder keine Impfungen zu bekommen. Oder keine Krippe zu besuchen. Eine heikle Diskussion auf einem schmalen Grat (sie wurde zuletzt paradoxerweise ausgerechnet von der Diskussion um die Kinderrechte befeuert, die alle gut finden –  nur eben beim nächsten Schritt scheiden sich dann die Geister: wer soll jetzt eigentlich die Rechte der Kinder vertreten und einfordern, und was genau ist eigentlich im besten Interesse der Kinder?) Ich habe darauf auch keine Antwort, und nein, ich bin weder Impfgegner noch gegen frühe Bildung, aber dieser Kommentar, dass Alleingeburten doch nicht „im Interesse des Kindes“ seien, hat bei mir doch ein ungutes Gefühl hinterlassen: soll die Debatte jetzt in diese Richtung gedreht werden?

Aber wirklich bewegt hat mich der Schluss des Artikels (und mich eigentlich dazu gebracht diesen Beitrag überhaupt zu schreiben).

Da sagt der Geburtshelfer Dr. Uwe Hasbargen, der als Oberarzt im Klinikum der Universität München arbeitet:

„Wir haben als Geburtshelfer Fehler gemacht. Wir müssen uns fragen: wo haben wir die Intimität der Frauen verletzt? Wo haben wir sie in ihrer Selbstbestimmung eingeengt?“

Und aus seiner Sorge um mögliche Komplikationen heraus (die steht ihm als Mediziner zu) fügt er das hinzu:

„Die Frauen möchten bitte zu uns kommen. Wir lassen sie allein, wenn sie das wünschen, versprochen. Und sie dürfen auch gerne auf dem Rasen vor dem Kreißsaal ein Zelt aufstellen, um ihr Kind zur Welt bringen. Aber für den Fall, dass Hilfe nötig ist, wären wir gerne in der Nähe.“

Ja, das hat mich wirklich angerührt. Denn eigentlich ist dies das Bild, das menschliche Bild, das ich von dem Medizinsystem habe, für das ich mich einmal entschieden habe, und für das ich mich einsetzen will: dass es den Menschen Sicherheit gibt, dass es ihnen hilft, ihr Leben besser und gesünder zu leben. Und genau das wäre wirklich so ein Signal in diese Richtung, mitten aus der modernen Geburtshilfe:

Es ist Deine Geburt. Für den Fall, dass Du Hilfe brauchst, sind wir für dich da.

Fragen bleiben

Gleichwohl gehen mir bei diesem Bild vom Zelt vor dem Kreißsaal ein paar Fragen durch den Kopf:

  • Überschätzt Ihr dort im Kreißsaal nicht Eure Rolle und warum eigentlich? Eine gesunde, auf die Geburt gut vorbereitete Frau kann ihr Kind gebären, und muss das nicht vor den Toren einer Intensivstation tun. Die Wege zu den Kreißsälen sind ausgeschildert, und wie das obige Beispiel und die medizinische Statistik zeigt, werden sie zuverlässig gefunden, etwa, wenn eine Geburt zuhause nicht vorwärts geht.
  • Wäre es nicht wichtiger, dass die Gebärende in ihrem „Zelt“, egal wo es steht, sich von einer Hebamme begleiten lassen kann, die sich mit natürlichen Geburten auskennt? Was habt Ihr getan, um dieser den Besuch in den „Zelten“ der Gebärenden zu ermöglichen? Seid nicht Ihr es gewesen, die jede Gelegenheit genutzt habt, um die Hausgeburtshilfe in die Tonne zu treten? Seid nicht Ihr es, die letzten Endes doch ein Besuchsverbot in den „Zelten“ durchsetzen wollt, bis heute? (Ich könnte hier so manche Stellungnahme Eurer Berufsverbände anfügen).
  • „Wir lassen die Gebärenden allein, wenn sie das wünschen“ – ein ermutigender Satz, und gemeint ist damit gewiss, dass Ihr den natürlichen Prozess der Geburt zulassen und begleiten werdet. Das wünschen sich die meisten Frauen ja, auch die, die in der Klinik gebären wollen. Aber seid Ihr denn dafür gerüstet? Seid ihr dafür ausgebildet, habt ihr das Personal dafür, auch die Hebammen? Ich höre andere Stimmen: es fehle an Hebammen, und es fehle an Erfahrung mit natürlichen Geburtsverläufen. Was läuft denn dann im unaufgeräumten Alltag, im Nachtdienst, am Wochenende, in den Urlaubsmonaten, in den Tagen, wo der für seine Kaiserschnittrate von 50% bekannte Kollege Dienst hat? Wie geht das „Alleine-lassen“, wenn 93% der Frauen in der klinischen Geburtshilfe dann doch medizinische Interventionen bekommen? Wenn in den meisten Kliniken noch immer veraltete Regeln befolgt werden, was denn eine „Übertragung“ sei, und wie schnell sich ein Muttermund zu öffnen habe?

Kurz: Seid Ihr, die Ihr für die „Zelte“ sorgen wollt, denn bereit, für Euren eigenen Laden gut zu sorgen?

Ich hoffe es, und die Worte klingen ermutigend, das will ich noch einmal sagen. Selbstbestimmung rund um die Geburt unserer Kinder – was wäre ein wichtigeres Thema für uns alle, ob wir nun „allein“, häuslich, geburtshäuslich, klinisch,  oder sonstwie gebären wollen. Es ist nun einmal nicht ohne Grund so, dass dieses Lebensereignis auf die eine oder andere Art immer im Zentrum unserer Biographie stehen wird, ob als Mütter, Väter oder Kinder. Es ist nicht egal, wie wir unseren Lebensweg beginnen. Nichts ist egal.  Und deshalb Danke, Herr Kollege Hasbargen, für die offenen, respektvollen  Worte.

27 Gedanken zu „Im Zelt vor dem Kreißsaal?

  1. Ein schöner Beitrag, danke. Wir haben demnächst unsere dritte Hausgeburt geplant für unser viertes Baby. Ich sehe dabei nicht mehr Risiken und Nachteile als bei einer Klinikgeburt.
    Genau das mit der Selbstbestimmung habe ich auch so empfunden. So musste ich bei der ersten Geburt (ambulant) mit dem Kind zwischen den Beinen aus der Geburtswanne aussteigen, weil das CTG-Gerät nicht mehr funktionierte.
    Dabei hatte ich mir so sehr eine Wassergeburt gewünscht …

    • Ich finde es toll, dass sie so tolle Hausgeburten hatten und wünsche Ihnen auch alles Gute für die nächste Geburt.
      Ich möchte Ihnen aber schon entscheidend widersprechen was die Risiken und Nachteile angeht.Denn so lange alles gut geht ist dem sicher so wie sie es schildern,doch sollte etwas schief gehen dann sind die Minuten die bis zum Eintreffen der Rettungskräfte vergehen vielleicht die die über Leben und Tod entscheiden.
      Auch wenn ich verstehen kann,dass die Geburten im Krankenhaus nicht immer optimal laufen würde ich die Sicherheit die das Krankenhaus bietet trotzdem nicht missen wollen.

      • Der RTW, den die anwesende (zu 100% anwesende wohlgemerkt! ) Hebamme verständigt, ist in vielen Fällen sicher schneller da als die Klinikhebamme, die einmal in der Stunde reinschaut. Fragt sich, wie lange es dauert, bis diese dann merkt, hier läuft was schief…

      • Ich habe lange als Klinikhebamme gearbeitet, das mal vorweg. Habe einige Notsituationen miterlebt, wo es um Minuten ging, um ein oder zwei Leben zu retten. Aber: Zuhause hat die Frau 1:1-Betreuung und ich bin mir recht sicher, dass dann heraufziehende Gefahren definitiv schneller erkannt werden oder die Frau selber Unbehagen offener äußert als in der Klinik, wo die Hebamme zwischen 2 oder mehr Frauen und der Ambulanz hin- und herspringen muss.

    • Liebe Shani,

      eine Hausgeburt hat EXTREM weniger Risiken als eine Klinikgeburt. Das vermeintliche Abgeben der Verantwortung an das Klinikpersonal ist gleich einer Exponentialfunktion. Der Mensch hat also alle Fehlentscheidungen eines jeden Dienstleisters auszubaden. Wie irre, bedenkt man, dass man diese Leute in der Regel nicht einmal kennt.

      Diese Welt steht Kopf. Es gibt ca. 14.000 Billiarden Lebewesen auf der Erde. 0,0002 % meinen für die Arterhaltung kranke Häuser zu benötigen, alle anderen schaffen das ohne, unter zum Teil aller widrigsten Bedingungen. Nun gut, das ist noch nicht so ungewöhnlich. Irrsinnig wird es dann, wenn sich diese 0,0002½ als Krone der Schöpfung bezeichnen und kurz vor dem Ziel sind, alle Natürlichkeit zu vernichten!

      Liebe Personen, denkt nach, werdet wieder zu dem, was Ihr wirklich seid.
      https://freiefamiliedresden.wordpress.com/2017/03/25/harmageddon-2017/

      Liebe Grüße aus Dresden

      • Danke für eure Antworten, die ich leider erst jetzt sehe.

        Unter einer Hausgeburt wird oftmals verstanden, dass man sein Kind zuhause bekommt, koste es was es wolle. Aber dem ist ja ganz und gar nicht so. Sobald es irgendwelche Anzeichen für eine Komplikation gibt, fährt man in die nächstgelegene Klinik (in der man sich in der Regel auch sicherheitshalber angemeldet hat).

        Ich würde wohl nicht zuhause gebären, wenn die nächste Klinik weit entfernt läge. Aber wenn man lediglich 15 Minuten entfernt wohnt (mit dem Krankenwagen), kann in diesen 15 Minuten der Operationssaal vorbereitet werden. Was im Übrigen auch nötig ist, wenn man bereits in der Klinik ist. Auch da kann nicht innerhalb einer Minute operiert werden.

        Und wie Katharina schreibt, dauert es in der Klinik wahrscheinlich wesentlich länger, bis eine Komplikation überhaupt festgestellt wird, weil man die meiste Zeit ohne Betreuung im Kreißsaal verbringt. Bei der Hausgeburt hingegen hat man eine Hebamme, die nur für einen selbst zuständig ist und sofort feststellen kann, wenn ein Eingriff notwendig ist.

        Ich habe unsere Beweggründe für die Hausgeburt hier zusammen gefasst:

        http://greenmom.eu/2017/03/18/warum-wir-uns-beim-zweiten-kind-fuer-eine-hausgeburt-entschieden/

        • Liebe Shani,

          können, oder wollen Sie nicht begreifen, was ich oben schrieb?

          Kein Mensch benötigt für eine Geburt fremde Hilfe oder gar ein Krankenhaus. Der kollektive Wahnsinn ist langsam unerträglich.

          Gehen Sie bei jeder Mahlzeit ins Krankenhaus, denn Sie oder Ihr Kind könnte sich ja lebensgefährlich verschlucken? Unternehmen Sie jede Autofahrt ausschließlich hinter einem Krankenwagen, denn der könnte Sie bei einem Unfall ja schnell retten?

          Das Baby wächst völlig selbstständig ganze 9 Monate in der Mutter. Wenn diese keine eigenen Konflikte hat, ist an dem Baby alles dran, alles perfekt für den Start ins Sonnenlicht. Da hat kein Arzt oder eine Hebamme dran rumgepfuscht, und genau darum ist alles perfekt. Ebenso ist es mit der Geburt die nur wenige Stunden dauert. Hier glauben einige, die sich als „Spezialisten“ bezeichnen und den Irrglauben geschürt haben, ohne sie ginge es nicht, schlauer zu sein, als die NATUR. Letztendlich lassen die sich noch für die teilweise Behebung der Schäden, die sie selbst verursacht haben, feiern.

          DIE NATUR MACHT KEINE FEHLER!

          Und für alle die behaupten das sei die Unwahrheit, empfiehlt sich die Prüfung.

          Wir hatten 3 „Krankenhausgeburten, alle mit Komplikationen.
          Unsere 4. Tochter habe ich allein auf die Welt begleitet, Fruchtblase geöffnet, Baby empfangen und erst nach völligem auspulsieren abgenabelt.(die Mama war 42)

          Wer seinem Selbst vertraut, der wird zur richtigen Zeit auch immer die richtige Lösung für Probleme finden. Wenn etwas schief geht, dann ist das immer nur der positive Impuls um zu lernen. Wer das beherzigt, wird niemals ernsthaften Schaden erfahren.

          Wer behauptet ein Krankenhaus oder eine Hebamme bieten Sicherheit, der schaue auf die Todesfälle und bleibenden Schäden in der „modernen Medizin“ nicht nur der Prozentsatz der nachgewiesenen Fehler, sondern die generelle „Erfolgs“ – Bilanz.

          Liebe Grüße aus Dresden, an alle, die sich bis jetzt noch nicht selbst vertrauen..

  2. Ich als angehende Hebamme und zuvor selbst 3x außerklinisch Gebärende (1x schlecht begleitet, 2x sehr gut) kann nur sagen: Amen!

    Nur wird ein Eingriff zuviel noch nicht bestraft, bei einem „zuwenig“ steht man mit einem Bein im Knast. Ich denke auch manchmal daran, dass ich bis 30 Jahre nach einer Geburt verklagt werden kann, wenn ein von mir betreutes Kind dann im Studium vielleicht nicht Einsen brachte und eine Lernschwäche vermutet wird…

    Aber dann stehe ich wieder im Kreißsaal, manchmal renne ich nicht rum wie blöd weil es so voll ist, sondern kann mit der Frau sein, wenn nötig atmen, vielleicht etwas bewegen, Sicherheit geben. Was sie halt gerade braucht für eine sichere, interventionsarme Geburt.

    Dann ist es der Beruf, der meine Berufung ist, das Schönste der Welt, die Kraft und Intuition einfach fließen zu lassen.

    • Liebe Anja, danke für deine Worte! Jeden Tag fast gibt es nun diese Texte, Gedanken, Essays über die Frage, was gute Geburtshilfe ist. Ich stimme bei so vielem überein – eigentlich logisch, so habe ich mir ja auch die Ausbildung zum Beruf der Hebamme ausgewählt.

      Aber: Ich frage mich immer wieder – Wie kommen Menschen darauf, so über unsere Arbeit zu urteilen? Ob ich meine Rolle im Kreißsaal nicht überschätze?! Nunja, Herr Renz-Polster, wenn ich im Kreißsaal einer Uniklinik mit gutem Personalschlüssel (vor allem durch die Schülerinnen) von Kreißsaal 1 bis 4 renne und jeder von mir jetzt sofortiges Handeln verlangt, dann sehe ich mich doch als ein wenig wichtig. Und nein, es ist sicher nicht mein Traumjob in Kreißsaal 1 eigentlich mit der Gebärenden atmen zu wollen, während in Kreißsaal 2 das CTG bradykard wird und ich die Frau unterstützen möchte , um ihr eine zweite Geburt ohne Sectio zu ermöglichen, dies aber nicht kann, weil in Kreißsaal drei eine Frau mit Präeklampsie überwacht werden sollte, um einen Krampfanfall zu verhindern und keine Sectio in einer frühen Woche durchführen zu müssen und in Kreißsaal 4 sollte ich samt Anästhesie alles vorbereiten für eine blutende Mutter, die mit dem RTW von der Hausgeburt kommt.

      Woher nehmen sie sich das Recht, zu urteilen, ob ich einer Frau eine selbstbestimmte Geburt ermögliche oder nicht?

      Wie Anja schon geschrieben hat – andauernd fällt zwischen dem Personal der Satz „scheiße, ich muss mein Handeln gut dokumentieren sonst verklagen die mich“.

      Und ja, sicher gibt es hier dann Situationen in denen man bei bestem Gewissen und nach Rücksprache mit Frau und Partner handelt. Dass das dann nachher vielleicht nicht identisch mit dem vorher erstellten Geburtsplan ist, kann passieren. Aber sicher nicht, um meine Macht oder die er Ärzte ausüben zu wollen, sondern um für Mutter und Kind das beste Outcome zu haben.

      Ich würde mir einfach wünschen, dass jeder der solche Texte veröffentlicht und kein Fachpersonal ist, sich vorher um einen Tag Praktikum im Kreißsaal bemüht. Nicht die eigene Geburt des Kindes, da ist man zu sehr emotional eingebunden.
      Die Autoren sollen neun Stunden mit uns mitrennen, den Stress spüren und nicht auf Toilette gehen dürfen.

      Erst dann können sie von mir aus so viele Texte veröffentlichen wie sie wollen, Herr Renz-Polster.

      • ouups, ich glaube, da ist etwas durcheinander geraten. Ich kommentiere in diesem Blog-Beitrag einen Artikel aus der Sueddeutschen (diesen da: http://www.sueddeutsche.de/leben/alleingeburten-wenn-werdende-muetter-bei-der-entbindung-auf-sich-gestellt-sind-1.3460997). Dort schildert eine Mutter ihre Erfahrung mit Fremdbestimmung in der klinischen Geburtshilfe. Ich versuche in diesem Beitrag diese Kritik in den Kontext der „Systemprobleme“ in der klinischen Geburtshilfe zu stellen: Personalmangel, intensivmedizinische Ausrichtung, fehlender Raum und Zeit für eine achtsame Begleitung der Gebärenden (zumindest nicht für eine Begleitung, die Sie selbst als wünschenswert beschreiben) . Sie bestätigen genau dies in Ihrem Beitrag.
        Ich verstehe jetzt nicht, wo Ihr Problem mit meinem Beitrag ist? Und welchen Vorwurf Sie mir machen?
        Dass ich eine Meinung zu unserem geburtshilflichen System habe? Darf ich das nicht, auch wenn ich noch nie ein CTG angelegt habe (so wie Sie noch nie ein hypoxisches Neugeborenes intubiert haben?). Doch das darf man schon. Man darf auch eine Meinung zur Atomenergie haben, selbst wenn man kein Atomphysiker ist (ich würde sogar sagen: es ist wichtig, dass nicht nur Atomtechniker sich um solche Fragen kümmern).
        Ich glaube, wenn Sie zuerst den Artikel lesen auf den ich Bezug nehme, und dann noch mal meine Kommentare, und die mit Ihren Kommentaren vergleichen, werden Sie sehen, dass wir eigentlich das gleiche meinen und wollen. Sorry, dass ich da vielleicht zu viel in den Blogbeitrag reingepackt habe!
        Irgendwie bin ich jetzt schon ein bisschen verwirrt: Sie beschreiben, dass Sie in Ihrer Klinik keine Zeit, kein Personal und keine Ressourcen haben, um den dort betreuten Frauen eine selbstbestimmte Geburt zu ermöglichen, und jetzt werfen Sie MIR vor, dass ich einen Blog-Beitrag schreibe, der genau das thematisiert und – in ganz ähnlichen Worten wie Sie – beklagt. Wem mache ich denn einen Vorwurf? Ihnen, die Sie jeden Tag versuchen das Beste aus einer (laut Ihrem Bericht) unerträglichen Situation zu machen? Das wäre das Letzte was ich tun würde, glauben Sie mir das. Einigermaßen verwirrt grüßt Sie
        HRP

  3. Jeder der die Neue Germanische Medizin kennt weiß, dass das Krankenhaus und die gesamte Geburtsvorbereitung die Ursache für Konflikte und damit für ernsthafte Probleme während der Geburt sind.
    Alle drei unserer Krankenhausgeburten waren problematisch, erst die vierte, allein in Familie, ohne Hebamme war völlig problemlos.

    Und weiter gedacht, keine Krankenhausgeburt, keine Geburtsurkunde, und damit ist das Kind nicht an den Staat verkauft. Das Kind bürgt nicht für die Schulden und Verbrechen des Staates, der erwachsenen Schlafschafe.

    Dieses Kind ist FREI!

    Liebe Grüße aus Dresden

    • Ob ein Kind frei ist, hat weder mit seiner Geburtsurkunde zu tun noch mit dem Ort seiner Geburt. Und mit dem Glauben seiner Eltern erst Recht nicht. Die neue Germanische Medizin wäre ein Witz, wenn sie nicht von einem Antisemiten gegründet worden wäre. Überlegt Euch, was Ihr macht und denkt. Ich bitte darum auf meinem Blog keine Kommentare in dieser Richtung zu posten – ich lösche die Kommentare allesamt. Ich habe wirklich kein Verständnis für die Abwertung anderer und bin ehrlich erschüttert über Eure Wortwahl und Ansichten. Hass bringt uns nicht weiter, Euch nicht, und Euere Kinder auch nicht. HRP

      • Ich maße mir keine Beurteilung eines Menschen an. Hier ging es ganz allein um eine Erkenntnis zur Entstehung von gesundheitlichen Problemen, die wir als Wahrheit durch tägliche Prüfung erkannt haben.
        Die Geburtsurkunde macht aus einem Menschen eine Person. Eine Person ist eine Rechtssache. Das habe nicht ich mir ausgedacht, sondern das steht in juristischen Nachschlagewerken.
        Eine Sache ist Objekt, also niemals lebend und frei.
        Abwertung anderer? Wo findet sich derlei in dem Kommentar? Eine Projektion.
        Was war an dieser sachlichen Darstellung denn Hass?
        Eine Projektion.
        Die Wahrheit lässt sich nur kurzzeitig etwas verdrängen (löschen) sie kehrt aber immer wieder und immer stärker zum Pol ihrer Abwehr zurück.
        Liebe Grüße aus Dresden (ernst gemeint, ohne Sarkasmus)

        • Danke (auch ernst gemeint). Ich glaube ich habe mich an der Darstellung gestört: wir hier die Guten, und dort die Bösen, denen wir unsere Kinder verkaufen sollen.. .Und die Leute, die das nicht durchschauen (so wie ich) sind dann die dummen „Schlafschafe“. Das meinte ich mit Abwertung. Hass – ja gut, da kam vielleicht was rein, das nicht auf Ihre Kappe geht, vielleicht weil ich keinerlei Verständnis habe für Theorien, die sich auf kollektive Verunglimpfung stützen (wie etwa die Neue Germanische Medizin). Leute denkt doch Eure eigenen Gedanken, klar werden wir oft nicht so behandelt wie es uns zusteht, aber dahinter stehen keine Verschwörungen sondern Menschen, die letzten Endes auch nicht so behandelt werden oder wurden wie es ihnen zusteht. Herzlich, HRP

          • Genau darum geht es, es gibt weder gut noch böse, sondern Lebenserfahrungen, welche der Mensch für seine Selbstfindung nutzen kann und auch sollte.
            Auch weiße ich darauf hin, dass wir „unsere“ (die gehören ausschließlich sich selbst) Kinder eben nicht verkaufen dürfen. Und für die, die es nicht durchschauen sind Menschen wie ich da, die Hintergründe erklären. Diese Erklärung muss dann von jedem selbst GEPRÜFT werden, um dann ganz, in Teilen, oder gar nicht für die Selbstfindung genutzt zu werden.
            Jeder der weiß, dass er ein Mensch ist, fühlt sich nicht angesprochen, der, welcher erkennt, dass er noch Defizite im Erkenntnisprozess hat, weiß auch, dass er kein „Schlafschaf“ ist, sollte aber dankbar für den Anstoß zum eigenen Erkenntnisprozess sein, oder es als ihn nicht betreffend einfach ignorieren. Die NGM ist Praxis bewiesen, wir haben alles seit 5 Jahren im täglichen Leben bestätigt gefunden. Bei der NGM geht es ausschließlich um die Entstehung von „Krankheiten“, Sozialisationsspielchen haben damit rein gar nichts zu tun.
            Ja, wir denken ausschließlich eigene Gedanken, nutzen dazu aber Puzzleteile des Wissenspools der Menschheit. (wie sollte es auch anders sein?)
            Ich habe nie von Verschwörungen gesprochen, ist aus Ihren Gedanken, sondern ich verweise auf die völlige Verantwortung des Menschen für sich selbst.
            Wen das mit der Geburtsurkunde interessiert: https://freiefamiliedresden.wordpress.com/2017/03/22/der-goldene-kompass/

            Liebe Grüße aus Dresden

  4. Toller Artikel! Ich durfte 2 Kinder selbstbestimmt in der Wanne im Kreißsaal bekommen. Ich habe mich dafür mit Hypnobirthing vorbereitet und wusste genau Bescheid über Ablauf und mögliche Risiken einer Geburt. Und unser schriftlich hinterlegter Geburtsplan hat unsere Absichten einer natürlichen Geburt klar gemacht. Manchmal muss man auch sehr deutlich sagen was man will, für seine Geburtsrechte eintreten. Vertrauen in den eigenen Körper haben!

  5. Ein wunderbarer Artikel! Mir ging es in der Klinik genau so beim ersten Kind. Ausgeliefert, verletzt und entschlossen, nie wieder ein Kind unter solchen Umständen. Dann fünf Kinder in wundervollen, selbst bestimmten Hausgeburten und gleichzeitig die Frage: Wie wird meine Tochter mal gebären dürfen? Wird jemand da sein außerhalb einer Klinik? Gibt es noch Hebammen? Oder nur noch die Wahl zwischen allein und fremdbestimmt?
    Ein Zelt vor der Klinik oder gar schöne Orte rings um eine Klinik … warum nicht?

  6. Lieber Herr Renz-Polster, danke für Ihren schönen Artikel. Ich habe den Zeitungsbericht auch gelesen. Nun möchte ich hier nur kurz von meinen Erfahrungen berichten, auch wenn ich vielleicht in besonderer Weise Glück hatte. Ich habe drei Kinder in drei ziemlich gewöhnlichen Krankenhäusern rund um Stuttgart bekommen und hatte jedes Mal eine freundliche, zurückhaltende und sympathische Hebamme, die mich unterstützt und auch in Ruhe gelassen hat. Von Ärzten habe ich so gut wie nichts mitbekommen. Ich habe auch schon von vielen schlechten Erfahrungen während der Geburt gehört, wie Sie diese in Ihrem Text ansprechen. Aber es geht auch unproblematisch, auch wenn das leider eine Ausnahme zu sein scheint! Und ich verzichte sehr gerne auf ein Zelt vor dem Krankenhaus und nehme dafür lieber ein warmes Bett für mich und mein Baby sowie eine kompetente Person mit Nadel und Faden. Aber Selbstbestimmung ist in der Tat ein sehr wichtiger Punkt und es tut mir leid für alle Frauen, die dies nicht erleben durften. Herzliche Grüße, Laura Fröhlich

  7. Fabelhafter Beitrag! Als Mann habe ich zuvor noch gar nicht so sehr darüber nachgedacht, wie es der Frau bei der Entbindung im Krankenhaus wohl so ergeht. Ich hätte eher erwartet, dass das Fachpersonal ruhig und verständnisvoll mit der werdenden Mutter umgeht. Es kann natürlich sein, dass das wegen dem Stress ein wenig härter zur Sache geht. Sehr schöner Bericht! Du hast meinen Horizont auf jeden Fall erweitert.

    Eine schöne Woche wünscht
    Angelo K.

  8. Ein wirklich ganz toller Blogbeitrag! Da hat sich tatsächlich jemand Gedanken gemacht als er das erdacht und geschrieben hat und das sage ich selten zu der männlichen Komponente, wenn es um das Thema „Geburt“ und „Alleingeburt“ geht.

    Vorweg: Ich bin auch absolut Freund davon, dass es Krankenhäuser und Kliniken gibt, welche man in Notfällen, (egal welcher Art), aufsuchen kann, um Hilfe zu bekommen. Dafür sind sie ja da, nicht wahr?

    Die Geburt meines ersten Kindes war katastrophal und über alle Maßen fremdbestimmt. Bei Kind Nr. 2 war es schon etwas besser, aber immer noch hatte ich nicht das Gefühl, die Sache selbst gemacht zu haben. Im Grunde war die einzige freie Entscheidung, die ich hier treffen konnte jene, dass ich dieses Mal in ein anderes Krankenhaus gehe und dort mein Kind bekommen würde.

    Erst beim dritten Kind entschied ich mich ganz bewusst dafür, andere Menschen für mich und mein Kind nicht länger entscheiden zu lassen. Das bedeutet auch, dass ich ganz bewusst die Verantwortung für alles übernehmen wollte und auch konnte. Natürlich gab es auch einen wohl durchdachten Notfallplan, für den Fall der Fälle. Aber mein Focus beschränkte sich dieses Mal gewiss nicht darauf, dass etwas schief gehen könnte. Das wird uns Frauen dieser Tage von klein auf so eingetrichtert, wenn es um dieses Thema geht: Geburten sind gefährlich. Es kann immer etwas schief gehen. Beide könnten sterben usw.
    Uns wird das Gefühl für ein gutes Selbstbewusstsein, Zuversicht und Selbstbestimmung genommen und ja, das beeinflusst sowohl Geburtsverlauf, sowie auch das Kind, welches geboren wird. Ein durch Klinik und (unnötige) medizinische Interventionen verursachtes Trauma kann für Mutter und Kind großen Schaden anrichten und ein Leben lang schlimme Narben davon tragen.

    Etwas Gefährliches könnte natürlich auch passieren, wenn ich mit meinen Kindern, mit dem Familienfahrzeug, irgendwo hinfahre. Aber in dieser Hinsicht wurde ich noch nicht so verrückt gemacht, wie beim Thema „Geburt“.

    Ich habe als junger Mensch gelernt, dass Geburt Angst, Stress und große Schmerzen bedeutet. Und erst vor kurzem lernte ich, dass das ganz großer Unsinn ist.

  9. Vielen Dank für den Artikel! Ich dachte immer, dass sich das Gebären in den Kliniken verändert hat. Das es offener und emphatischer geworden ist. Das scheint denn ja wohl nicht überall so zu sein. Vor über 34 Jahren kam meine Tochter in der Klinik auf die Welt und ich wurde als junger Mutter nicht so richtig als eigenständiger Mensch gesehen.- Sechs Jahre später haben sich die Ärzte wieder nicht auf meine Wahrnehmung verlassen und mein Sohn hätte sich fast stranguliert mit der Nabelschnur. Eine Erklärung warum er so blau war gab es nicht und von einer Entschuldigung waren wir ganz weit weg. Und das die Herztöne vor der Geburt nicht immer da waren haben die Ansprechpartner der Klinik auch vergessen. Als ich mit dem Anwalt drohte wurde der Kaiserschnitt veranlasst. –Soviel zur Sicherheit in der Klinik! –Ich dachte es hätte sich nach 29 Jahren etwas verändert!! Wäre ich heute in der glücklichen Lage ein Kind zu bekommen würde ich in ein Geburtshaus gehen!

  10. Danke für diesen treffenden Beitrag. Ich selbst habe vier Kinder, die ich alle zu Hause bekommen habe. Als Kind habe ich eine traumatische Krankenhauserfahrung hinter mir. Im Krankenhaus hätte ich mich nicht sicher gefühlt. Und der beste Ort, mein Kind zu gebären (nicht zu entbinden ) ist der, an dem ich mich sicher fühle – zu Hause.
    ich hatte das große Glück, wunderbare Hebammen an meiner Seite gehabt zu haben. Doch es gibt immer weniger Hebammen für die Schwangeren. Ich weiß nicht, ob ich micht nicht auch für eine Alleingeburt entschieden hätte, wenn ich keine Hebamme gefunden hätte.

  11. Ich war im Nachhinein auch recht unzufrieden mit meiner Klinikgeburt. In 17h hatten wir 4 Hebammen, die sich auch tlw widersprochen haben. Es wurde die Fruchtblase angestochen mit Hinweis darauf, dass die Wehen dann heftig einsetzen, gleichzeitig aber noch ein Wehentropf dazu gelegt, so dass die Wehen statt schwach und unregelmäßig schnell stark und minütlich da waren. Darauf hin kam der Wehentropf weg und eine PDA wurde gelegt, um die Gebärmutter hoffentlich zu entspannen, damit es voran geht und kein Kaiserschnitt her muss, weil es für meine und Babykräfte zu lang dauert… Ich habe keine Wirkung der PDA gespürt, aber meine Tochter kam schließlich natürlich. Damit die Nachgeburt kommt, wurde nach nicht mal 20 min leicht gedrückt und gezogen… Mein Mann musste kurz danach gehen, weil die Besuchzeit zu Ende war und die Station zu voll, als dass wir das gewünschte Familienzimmer hätten haben können. Und dann das Brimborium ums Stillen. Hätte sie nicht trotz wenig und selten trinken schon im KH wieder zugenommen, hätte es die Flasche gegeben. Und wie viele Mütter habe ich wegen schlechter Anleitung das KH mit wunden Brustwarzen und Stillhütchen verlassen…
    Ich kann den Wunsch nach mehr Ruhe und Selbstbestimmung also durchaus verstehen und fasse fürs nächste Mal auch eine Hausgeburt ins Auge. Aber ich glaube die Alleingeburt wird neuerdings aus einem falschen Verständnis von Natürlichkeit praktiziert. Der Mensch ist nicht zum Alleingebären gemacht. Auch außerhalb einer Geburtshütte sind im Notfall mehrere Frauen mit Erfahrung. Man kann sich umfangreich informieren, aber das ist kein Ersatz für eine Hebamme. Und die moderne Medizin hat uns nicht nur sicherlich viel zu hohe Kaiserschnittraten beschert, sondern auch sehr geringe Mütter- und Säuglingssterblichkeiten. Sollte ich keine Hebamme für die Hausgeburt bekommen, würde ich lieber in den sauren Apfel der ambulanten Klinikgeburt beißen.

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